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Würfelt Gott?

Das war die polemische Frage von Einstein, als seine Kollegen die Determiniertheit des Kosmos in Frage zu stellen begannen. Mittlerweile wissen wir, dass wir nicht mehr wirklich von der Determiniertheit des Kosmos ausgehen können; doch das bedeutet nicht, dass dieses Wissen grundsätzlich in unseren Denkstrukturen integriert wäre. Eher ist das Gegenteil der Fall.

Für mich persönlich hat diese Frage eine darüberhinaus gehende Dimension, denn ich frage mich, wie können Menschen liebevolle Eltern und Ehepartner sein und gleichzeitig andere Menschen auf bestialische, nicht wirklich vorstellbare Weise umbringen, so wie etwa Rudolf Höß, der Lagerleiter von Auschwitz Birkenau. Die Geschichte ist voll von solchen Menschen.

Um diese Frage beantworten zu können, muss ich wohl verstehen, wie das Universum so tickt. Die Frage, wie der Geist in die Materie kommt, ist ja wohl dahingehend zu beantworten, dass Materie sozusagen aus dem Geist entsteht. Was das jetzt genau bedeutet, darüber sind sich weder Wissenschaftler noch Philosophen einig. Einig sind sie sich nur darüber, dass das unser Weltbild gewaltig auf den Kopf stellt.

Im Flow bin ich in einem Zustand des Denkens durch Nicht-Denken, des Handelns durch Nicht-Handeln. Perfekt, könnte ich meinen. Wenn da nicht beispielsweise die Yakuza wären, die japanische Mafia. Oder die Ninja, besonders ausgebildete Kämpfer des vorindustriellen Japans, die als Kundschafter, Spione, Saboteure oder Meuchelmörder eingesetzt wurden. Und die gibt es überall auf der Welt.

Das Schwierige ist, dass auch ein Yakuza oder ein Ninja in einem Flow sind. Nur ist diese Art von Flow nach unserem Verständnis „unmenschlich“, was ja ein Paradoxon an sich ist, denn es sind auch Menschen. Was wir für „richtig“ und was wir für „falsch“ halten, ist also nicht gottgegeben, sondern ein Ergebnis unserer persönlichen, ethischen und moralischen Haltung. Dem Universum ist es ganz offensichtlich egal, wie wir uns aufführen. Sonst wäre es dem Menschen schon längst mit einem ordentlichen Donnerwetter in die Parade gefahren.

Verstehen tue ich das noch nicht, lebt doch die sonstige (?) Natur ein Miteinander, viele Menschen jedoch ein offensichtliches Gegeneinander. Dass letztlich nur das natürliche Miteinander überlebensfähig ist, will ich nicht bestreiten. Doch bis wir verstanden haben, weshalb der Mensch diesen Ausflug in die Destruktivität unternimmt und das Universum teilnahmslos zuschaut, so lange brauchen wir ganz einfach ethisches und moralisches Handeln, ein Handeln, das das Miteinander und nicht das Gegeneinander zum obersten Ziel hat.

Wenn „richtig“ zu denken das Spielbein ist, dann sind Ethik und Moral das Standbein. Gehen und rennen, aber auch tanzen können wir nur mit beiden zusammen.