Was jetzt?

Das sollte eigentlich keine Frage mehr sein, denn die ist längst beantwortet. Es geht nicht etwa um Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft, sondern alleine um den einzelnen Menschen. Ich selbst bin der Einzige, den ich erreichen kann. Ich kann mich nicht einmal selbst beeinflussen, wie sollte ich da andere beeinflussen können?

Um anders als bisher handeln zu können brauche ich wie jeder andere auch Einsicht, die ich dann durch bewusstes und achtsames Handeln zu implizitem Wissen gemacht habe. Jiddu Krishnamurti hat das perfekt in diesem Satz ausgedrückt:

Intelligenz, die voll erwacht ist, ist Intuition, und Intuition ist die einzig wahre Führung im Leben.

Meine Intelligenz „erwacht“, wenn ich die richtigen Fragen stelle. Meine eigenen Fragen konkretisieren nach und nach das, was ich als Realität erlebe. Und das beginnt mit dem korrekten Verständnis von Achtsamkeit. Das japanische Schriftzeichen für Achtsamkeit ‚念‘ besteht aus zwei Teilen, der obere 今 bedeutet „jetzt; dies“ und der untere 心 bedeutet „Herz; Verstand“.

Achtsamkeit ist die Qualität und Kraft des Geistes, der sich dessen bewusst ist, was passiert – ohne Urteil und ohne Einmischung. Es ist wie ein Spiegel, der einfach das widerspiegelt, was vor ihn kommt. 

Joseph Goldstein

Achtsamkeit hält mich mit dem Zähneputzen oder der Tasse Tee verbunden, die ich gerade trinke, genauso wie mit den Menschen um mich herum. Der Geist wandert nicht herum und ich denke nicht über irrelevante Dinge nach und ich kann wie Mark Twain sagen, dass „einige der schlimmsten Dinge in meinem Leben nie passiert sind“.

Also trainiere ich meinen Geist, immer wieder zum Atem zurückzukommen, einfach von vorne anzufangen. Durch Achtsamkeit entkomme ich allmählich den Filmen meines Geistes und komme in der Wirklichkeit an, die ganz anders ist, als mir mein mäandernde Geist bisher vorgaukelte.

Die Ch’an-Menschen haben allein durch gedankliche Präzision Prinzipien und Strukturen des Leben erkannt, die auch die Quantenmechaniker herausgefunden haben. Ich nehme gerne die Erkenntnisse der Physiker und bewege mich von dort in die philosophischen Überlegungen des Ch’an. Ist, jedenfalls für mich, der schnellere und leichtere Weg selbst zu Erkenntnissen zu gelangen.

Die vielleicht wichtigste Quintessenz dieser Erkenntnisse, sowohl des Ch’an wie der Quantenmechanik, ist, dass es kein „Ich“ gibt – womit sich die Feststellung, dass nur der Einzelne etwas tun kann, wieder relativiert, da alles das in sich differenzierte Eine ist. Was ich jedoch nur erkennen kann, wenn ich an kein „Ich“ mehr glaube, es für mich kein eigenständiges Selbst mehr gibt.