Worüber nicht gesprochen wird

Die Menschen sind zutiefst miteinander verbunden, doch sie begegnen sich meist nur auf der Ebene ihrer Wahrnehmung. Das, was sie aber für den anderen empfinden, behalten sie oft für sich, egal ob es sich nun um etwas Positives oder Negatives handelt.

Selten wird in dem Interesse an dem anderen – egal ob positiv oder negativ – das eigene Bedürfnis, die eigene Bedürftigkeit wahrgenommen und erst recht nicht kommuniziert. Das ist es vielleicht, was in dem Gedicht von 1001. Nacht gemeint ist, in dem es heißt, dass die Menschen schlafen würden und erst in der Stunde ihres Todes erwachen würden.

Und wenn doch einmal die eine oder der andere „die Hosen herunterlässt“, dann wird das nicht respektvoll als das Erleben des anderen zur Kenntnis genommen, sondern mit dem eigenen Erleben in Bezug gesetzt – als ob das etwas ändern würde.

So lange jeder „sein“ Erleben für sich stehend ansieht und es nicht in Beziehung zu dem Erleben des Anderen betrachten kann, es zu einem einzigen Erleben verbindet, so lange lebt jeder in seiner eigenen Welt, abgetrennt von dem anderen.

Dahinter steht letztlich die Frage, wer ich bin. Denn in Wirklichkeit gibt es „mich“ ja überhaupt nicht. Dieses „Ich“ ist nur eine gedankliche Vorstellung . Was ich gerade als „ich“ erlebe, ist nicht nur der Körper, sondern es ist auch der Raum, in dem ich mich befinde; meine Beziehung zu ihm macht mein Erleben aus, das nicht mehr auf meinen Körper beschränkt ist.