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Worte, nichts als Worte!

Habe ich etwas gehört oder gelesen, dann bedeutet das noch lange nicht, es auch verstanden zu haben. Was ich höre, ist nicht das, was gesagt wurde, sondern allein das, was ich in der Lage bin wahrzunehmen, was ich also interpretiere. Und dabei interpretiere ich nicht nur etwas ‚hinein‘, sondern ich interpretiere es vollkommen selbst.

Bei gesprochenen wie geschriebenen Worten vermittelt sich mir das Eigentliche nur dann, wenn ich die Bedeutung unmittelbar geistig wahrnehmen kann, also jenseits der Worte. Was für die Anweisung der Kassiererin, wie ich meine Karte an das Lesegerät halten soll, kein Problem ist. Da ist rechts eben rechts und nicht wo anders.

Und genau da steckt wahrscheinlich das selten gesehene Problem drin, denn das bedeutet noch lange nicht, dass ich auch in einem Streit oder bei der Erklärung einer mir unbekannten Tatsache sicher verstanden hätte, nur weil ich die Worte verstanden habe.

Es geht auch nicht nur darum, denn Sinn der Worte zu verstehen, sondern es geht darum zu verstehen, was damit ausgedrückt werden soll. Was selbstverständlich verlangt, dass klar kommuniziert wird. Nur weiß ich nie, was letztlich gemeint ist, nur der, der die Worte sagt. Also muss ich ihn erst einmal fragen, ob ich ihn wirklich verstanden habe.

Ganz schwierig wird es, wenn Emotionen sprachlich kommuniziert werden. Da ist keine Kommunikation mehr möglich. Es ist müßig, die Empfindungen eines anderen entgegen treten zu wollen, denn die hat er nun einmal. Und was ich darauf auch immer erwidern werde ist für ihn falsch, außer natürlich, ich bestätige ihn.

Die große Kunst ist zuzuhören, ohne gleich erwidern zu wollen. Darin liegt die Bereitschaft, den anderen ernsthaft verstehen zu wollen und vielleicht auch tatsächlich zu verstehen. Denn oft reden wir nur miteinander, kommunizieren aber nicht wirklich.

Der aus dem Lateinischen kommende Begriff der Kommunikation (communicatio ‚Mitteilung‘) erinnert ja sehr an den Begriff der Kommunion, der sich von dem Griechischen communio ableitet, der ‚Gemeinschaft‘ bedeutet. Für mich haben beide Begriffe etwas miteinander zu tun, denn ohne Mitteilung gibt es auch keine Gemeinschaft.

Dabei ist Kommunikation etwas sehr Grundsätzliches. Der Urgrund der Materie ist Information. Ohne diese zu ‚kommunizieren‘, entsteht keine Materie. Was da mit wem kommuniziert, das wissen wir nicht, aber es funktioniert. Bedenke ich weiter, dass die Welt ein einziges Beziehungsgeflecht ist, dann ist offensichtlich, dass gute Kommunikation sehr, sehr grundlegend ist.

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