Sowohl als auch

Das Universum und damit auch ich selbst sind klar definiert, aber nicht inhaltlich, sondern nur prinzipiell. Doch was bedeutet das? Ein Erklärungsversuch. 

Jeder, wirklich jeder, Mensch hat eine Vorstellung von sich selbst. Und die entspricht, mehr oder weniger bewusst, dem jeweiligen Weltbild. Die Buddhisten sprechen, kommt man auf das Selbst oder Ich zu sprechen, über kurz oder lang von der „Leere“, eine zu Beginn sehr, sehr schwierige bis unmögliche Vorstellung. Da bleiben viele doch lieber bei metaphysischen Schwärmereien, da weiß man wenigstens, was man hat. Doch mittlerweile registrieren ja immer mehr Menschen, dass auch die Physiker etwas ganz Ähnliches sagen, sie haben nämlich festgestellt, dass es Materie in letzter Konsequenz nicht gibt. Und das können sie auch noch beweisen. Das haben sie den Buddhisten voraus.

Sucht man den Ursprung unseres Geistes, seien es Gedanken, Intuition, Intelligenz oder Bewusstsein, wie den des materiell Existierenden, also von Materie, Energie und Schwingung (was bei allem Lebendigen letztlich ein und das selbe ist), landet man irgendwann im „Nichts“. Statt dass da eine wie auch immer geartete Substanz auftauchen würde, ist das Gegenteil der Fall. Das wirklich Faszinierende ist bei beiden Erkenntniswegen, dass sie letztlich ein richtiges Fass aufmachen, vorausgesetzt, man ist bereit, sich darauf einzulassen. Wo einem beim ersten Betrachten nur eine erschreckende Abwesenheit von irgendetwas regelrecht anstarrt, wie ein schwarzes Loch, das einen zu Verschlingen droht, offenbart sich mit der Zeit, je besser man seine Vorstellungen von der Welt (und von sich selbst) aufzugeben bereit ist, ein faszinierendes Feld von Möglichkeiten. 

Doch wie sagte schon Bodhidharma? „Offene Weite, nichts von heilig.“ Nur dauert es eine Weile, bis man diese Leiter hinaufgestiegen ist um am Ende über sie hinaus zu gelangen. Wittgensteins Leiter ist dafür wirklich eine definitiv stimmige Metapher, die gut beschreibt, was zu tun ist: Darüber hinaussteigen und am Ende nicht doch wieder krampfhaft und panisch die letzte Stufe festhalten. Das bedeutet nämlich, das letzte bisschen Sicherheit und damit jegliches Gefühl von „ich habe die Kontrolle“ aufzugeben, das man noch hat und sich selbst aufzugeben um in eine Welt aufzubrechen, die man nur noch intuitiv erfassen kann, doch nicht um davon zu fliegen, sondern wieder herunterzusteigen in die Welt der Gedanken und die der Materie – doch ohne Kontrolle. Die hat sich in der Leerheit nämlich als Illusion herausgestellt.

Die Physik brauchte ein neues Verständnis, um die Quantenmechanik mit der klassischen Physik Newtons in Einklang zu bringen. Was ihnen auch gelungen ist, der Grund, warum wir uns auch an CD-Spielern, Handys, Navis, Reisen auf den Mond und mittlerweile auch an Supercomputern et cetera erfreuen können. Nicht anderes ergeht es der Philosophie des Buddhismus, denn die zu verstehen bedingt ein neues Verständnis von Leben, will man sie wirklich verstehen, denn nur über der Leiter zu schweben, das bringt definitiv nichts. Auch Zen-Menschen bekommen irgendwann Hunger oder müssen aufs Klo. Und Äpfel fallen noch immer von oben nach unten, auch wenn sie sich tatsächlich nur im Raum-Zeit-Kontinuum bewegen und einen Hang hinunter rollen. Aber verbindet man, um mit Nagarjuna zu sprechen, die absolute Wahrheit nicht mit der relativen Wahrheit (wobei ich selbst das Wort „Wahrheit“ scheue), dann bleibt man auf halbem Weg stecken.

Wir sind also also fraglos als ein Feld von Möglichkeiten definiert. Jedenfalls sagen das die Zen-Menschen und die Quantenmechaniker. Aber eben nicht inhaltlich. Doch um das eigene Möglichkeitsfeld, sein „persönliches“ Nullpunktfeld anzapfen zu können, muss man eben beides miteinander verbinden, das Nichts und das Alles. Aber, und das ist möglicherweise ein elementar wichtiger Schritt, sobald man das wie das Einmaleins zu lernen oder durch irgendwelche Hilfsmitteln zu ersetzen versucht, so als könne man das auch außerhalb der eigenen Intuition erfahren, fällt man unweigerlich von der Leiter. Es geht um Wissen und Intuition.

Auch deshalb sowohl als auch.