Objektivität

Eindeutig der Stab in dem gordischen Knoten meines Denkens. Mal angenommen, es gab den gordischen Knoten wirklich. Bei ihm konnte die einzige Möglichkeit ihn unlösbar zu machen, nur darin bestehen, dass er mit Hilfe eines physikalischen Tricks gebunden wurde, der sich auf die Dicke des Seils auswirkt. 

Ich denke, dass ich bei dem gordischen Knoten, zu dem sich meine Gedanken oft verquickt zu haben scheinen, genau so vorgegangen bin. Aber vielleicht hilft ja die Geschichte, ihn doch zu lösen, jedenfalls in meinem Denken. Es soll ja zwei Wege gegeben haben, den gordischen Knoten zu lösen. 

Einmal, indem man ihn aufdröselt, was wohl niemandem gelungen ist, jedenfalls hat Alexander der Große den Menschen die Chance genommen, dieses Geduldsspiel zu Ende zu bekommen, indem er sein Schwert nahm und den Knoten mal eben so zerschlug. Ein pragmatischer Denker eben. Zum anderen, indem man ihn genau betrachtend untersucht und erkennt, dass da so ein kleiner Stift drinsteckt, den man nur herauszuziehen braucht, um das Ganze aufzulösen in sich zusammenfallen zu lassen.

In meinen Gedanken ist dieser Ärger verursachende Stift, der verhindert, dass das Knäuel aufgelöst werden könnte, die schlichte Annahme, dass es in der Welt Subjektivität und Objektivität geben und dass man das Eine vom Anderen unterscheiden könnte. Nur das glaube ich nicht. Jedenfalls nicht mehr. Ich kann natürlich nicht (also objektiv) ausschließen, dass es Subjektivität und Objektivität doch geben kann, nur für mich als Mensch ist das nicht zu unterscheiden. Das aber zu glauben, dass ich das könnte, ist genau der Stift, den ich ziehen müsste. Also gehe ich konsequent immer nur von Subjektivität aus.

Damit etwas die Bezeichnung „objektiv“ erhalten kann, müsste es ja unabhängig von einem Beobachter sein. Aber kann es beispielsweise eine objektive Tatsache sein, dass der Mond zu sehen ist, wenn keiner hinschaut? Ohne die subjektive Wahrnehmung und Interpretation des Einzelnen, ob nun einer oder viele, gibt es definitiv keine Erkenntnis. Das war’s dann mit der Objektivität für mich. Also gehe ich davon aus, dass ich wirklich nichts objektiv wahrnehmen kann und alles von mir Gedachte, Gesehene, Gefühlte, Wahrgenommene und Empfundene subjektiv ist.

Das letztlich erkennbare Problem ist, dass wohl die meisten Menschen die Welt fragmentiert und nicht nur differenziert erleben. Doch das hört in dem selben Moment auf, wenn man der Objektivität eine Absage erteile. Ohne Objektivität kann ich nur noch differenzieren, aber nicht mehr fragmentiert. Und in der Welt der Physik geht man schon lange davon aus, dass es die Welt ohne Beobachter irgendwie nicht geben kann. Also gibt es die nur subjektiv.

Daher bitte ich meine Leser, dies beim Lesen meinen Texten stets voran zu denken, dann kann ich mir manche Wiederholung sparen.