Lernen versus Erkenntnis und Erfahrung

Ich kann nichts „lernen“, das Einzige, das mich voranbringt, sind Erkenntnis und Erfahrung. Die Aneignung von Wissen macht mich schlauer, aber weder lebendiger noch lebensklüger und schon gar nicht weiser. Reines Wissen ist so notwendig wie Bergschuhe, wenn ich in die Berge will. Aber sie nehmen mir das Gehen nicht ab.

Die Erfahrung des Gehens kann mir niemand vermitteln, die kann ich auch nicht lernen, wie viele Bücher ich auch lesen mag. Erst die eigene Erfahrung bringt mich weiter. Doch auf den Prozess zur Erfahrung muss ich mich einlassen. 

Dabei muss ich vor allem mir selbst vertrauen; meinen eigenen Fähigkeiten vertrauen, auch wenn sie noch brach liegen und mich trauen. Wir sagen zwar auch dazu lernen, wenn ein Kind gehen lernt, aber tatsächlich macht es das ganz alleine und selbst, es macht nur nach, was man ihm vormacht.

Ein Kind kennt den Begriff des Scheiterns nicht. Darum lässt es sich nicht beirren, seinen Weg zu gehen zu suchen, egal wie oft es damit in der Sprache der Erwachsenen „scheitert“. Es ist diese Haltung, die auch der Mensch auf seinem Weg in und durch das Unbekannte braucht. 

Ein Wissenschaftler macht es übrigens ganz ähnlich. Er will etwas besser wissen, was er noch nicht kennt. Darum hilft es auch enorm, sich immer wieder mit Sciencefiction zu beschäftigen und die verrückt anmutenden Gedanken einfach einmal auf die ganz normale Alltagssituation anzuwenden. 

Der Unterschied zwischen einem Wissenschaftler und einem kleinen Kind ist, dass der Wissenschaftler sich bewusst ist, dass er etwas noch nicht kann oder weiß und er deshalb untersucht, wie es geht; das Kind macht das gleiche, nur ist es sich wohl nicht bewusst, dass es in unbekanntes Gebiet vordringt. 

Die Wissbegierde des Wissenschaftlers, wie die des Kindes, ist das, was vielen Erwachsenen verloren gegangen ist; die Lust, ja mehr noch, die Begierde darauf, Neues und damit Unbekanntes zu erforschen und zu untersuchen. Und genau das ist die Wetterscheide zwischen Lernen, dem Erlangen vorhandenen Wissens einerseits und dem Streben nach eigener Erkenntnis und Erfahrung andererseits.

Nur etwas „zu wissen“ ist völlig uninteressant, allein Wissen, das in der konkrete Anwendung zu Erkenntnis und Erfahrung wird, ist von Relevanz, denn nur Erkenntnis und Erfahrung bringen uns dazu, neu zu denken und die Welt mit anderen Augen zu sehen.