Kultur leben

Eine Kultur zu leben ist wie ein Kunstwerk selbst zu gestalten.

Sie drückt das aus, dessen ich mir bewusst bin, was und wie ich mich selbst verstehe, wonach ich strebe, was ich also zielbewusst, unbeirrt und auf möglichst kurzem Weg und ohne mich ablenken zu lassen anstrebe und vor allem, was ich und nicht wie ich zu sein suche. Auch der Beruf oder die Art, wie ich koche, kann ein Kunstwerk sein. Und eben die Art, wie ich lebe. Konvention aber ist nie Kunst, sondern immer gekünstelt. Doch wie in Drei-Teufels-Namen setzt man das um beziehungsweise wie kommt man da überhaupt hin? Oder ist es vielleicht einfacher, als man denkt?

Ich will versuchen, das an drei Beispielen festzumachen, an Autos, Menschen und Websites. Als ich mit einem Freund unterwegs war, kamen wir auf „altersgemäße“ Werbung zu sprechen, Werbung die die diversen Mittelchen anbietet, um dem altersbedingten Schwund entgegen zu treten. In dem Gespräch stellte er unter anderem fest, dass ich ja nicht normal wäre, da ich mit 65 das Motorradfahren angefangen und auch noch beide Führerscheine gemacht hätte. Und wenn ich an Wang Deshun denke, der mit 80 aussieht wie es wenige 30-Jährige tun oder an Tao Porchon-Lynch, die mit 98 Yoga-Unterricht gibt – um nur ein paar Beispiele zu nennen -, dann ist das mit dem Alt-Sein ja wohl doch sehr relativ. Also ist Alter auch nur eine Frage der Einstellung und der Haltung? Es scheint so zu sein! Und ich bin da scheinbar auf der richtigen Spur, weil ich ein Stück weit aus der Norm falle.

Aber was hat das mit Autos zu tun? Mehr als man denkt! Ich erinnere mich noch gut, als wir einmal im Sommer beim Griechen saßen, rechts der Fluß und links die Straße. Ich saß so, dass ich die entgegenkommenden Autos gut sehen konnte. Und da sie (eigentlich) Schrittgeschwindigkeit fahren mussten, waren die Fahrer gut zu beobachten. Mit einem Mal fiel mir auf, dass Fahrer und Autos meist sehr gut zusammenpassten. Also der Charakter des Fahrers und der Typ des Autos. Autos sind ja eigentlich alle ziemlich gleich. Vier Räder, Motor, Getriebe, Sitze, Karosserie und so weiter und so fort. Das Prinzip ist immer das Gleiche. Wie bei uns Menschen. Wir sind ja auch alle ziemlich baugleich. Also im Prinzip. Und auch das Geschlecht ist ja auch nur eine Frage der späteren Differenzierung. Oder so.

Und bei Websites ist das kein bisschen anders. Moderene Websites funktionieren nach dem immer gleichen Prinzip. Die Gestaltung läuft über eine Stylesheet. Bei Autos gibt es entsprechende Pläne, wie die gebaut werden. Und für Menschen gibt es Feldenkrais, der einem helfen kann, sich besser zu bewegen. Es ist immer das selbe Prinzip, bei Autos, Websites und auch bei Menschen: Alles eine Frage der Organisation. Wie ich laufe, wie ich koche, wie mein Zimmer aussieht und wie ich letztlich lebe – nur eine Frage der (Selbst-) Organisation. So gesehen sind wir also alle ziemlich gleich. Also eigentlich, denn tatsächlich sind wir nicht einer wie der andere. Obwohl, sehen kann man das nicht unbedingt. Doch was macht jetzt überhaupt den Unterschied?

Ganz einfach: Das Design. Ich habe es einmal „das gute Design“ genannt. Erst das Design gibt den Dingen ihren wahren Sinn. Der „Weg“ vom Beruf zur Berufung – was ist das anderes als gutes Design? Und ich verspreche Ihnen, es wird nie Nachhaltigkeit geben, wenn die nicht mit Ästhetik einhergeht! Und so wie wir von Social-Design sprechen, sollten wir auch von Personal-Design sprechen. Ästhetik, Design und Persönlichkeit? Aber klar doch! Was mir dabei sofort einfällt, ist das Buch oder eher die Idee von Garr Reynolds „Zen oder die Kunst der Präsentation“. Es ist doch unerheblich, ob ich die Prinzipien des Zen auf meine Präsentation anwende oder eben auf mein Leben!

Dieter Rams formulierte Anforderungen, denen gutes Design gerecht werden soll. Die wichtigsten Punkte sind:

Gutes Design ist ästhetisch.
Gutes Design ist unaufdringlich.
Gutes Design ist ehrlich.
Gutes Design ist im Einklang.
Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail.
Gutes Design ist sowenig Design wie möglich.

Ganz klar ein Vorbild für die eigene Persönlichkeitsentwicklung! Wobei ich nicht mehr von Entwicklung spreche, denn was ich entwickeln kann ist ja schon vorgegeben. Aber das ist unsere Persönlichkeit nicht. Wir sind frei, sie zu gestalten, wie es uns beliebt. Und genau das tun wir die ganze Zeit! Doch nur wenige Menschen sind sich dessen bewusst, sondern folgen, statt dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen würden, Konventionen und familiären Traditionen. Darüber, finde ich, lohnt es sich einmal nachzudenken. Aber das gibt es nicht umsonst.

Man muss bereit sein, aus der Norm zu fallen!