Konvention, die Kunst, sich selbst zu verleugnen

Ein wirkliches Dilemma. Was ich wahrnehme ist nicht „die“ Wirklichkeit, sondern zum einen meine Interpretation physikalischer Ereignisse und, noch problematischer, meine psychische Interpretation von äußeren Faktoren. 

So kann ich mich nicht gegen väterliche Gefühle für ein Wesen mit putzigem, einem Kind ähnelndem Gesicht „wehren“; nehme ich die entsprechende Form wahr, macht es „klick“. Entscheiden tue ich da nichts, ich kann mir dessen nur bewusst sein. Dies löst auch nicht mein Gegenüber aus, sondern ich selbst.

Nur, wenn ich mir solche Dinge bewusst mache, kann ich mich davor schützen. Doch solange ich noch in der Konvention verhaftet bin, kann ich das nicht, weil ich einfach nicht klar und präzise genug denke und somit auch nicht wahrnehmen kann.

Die Konvention bedingt notwendigerweise Selbstverleugnung. Da ist zum einen der schöne Kalenderspruch an der Wand, mit dem sich meiner Sehnsucht Ausdruck verschafft, damit ich nicht wahrnehme, wie es wirklich in mir aussieht.

Je weniger ich darum weiß und je weniger ich mir dessen bewusst bin, und zwar permanent, desto geringer ist meine Chance, mein Streben nach Frieden und Einheit Realität werden zu lassen.

Doch es ist einfacher als ich glauben mag, mir dessen bewusst zu werden. Ich brauche mir bei dem, was ich tue, des Energieflusses bewusst sein. Die wirkende und etwas bewirkende Geisteskraft hat ihren Ursprung in meiner grundsätzlichen Haltung und inneren Ausrichtung. 

Die Haltung wiederum kann ich nicht beliebig ändern oder gar der Situation anpassen, sie ist die unmittelbare und direkte Folge meines Welt- und damit meines Selbstbildes. Es geht also tatsächlich nicht darum, wie ich mit der Konvention umgehe, sondern von welchem Welt- und Selbstbild ich überzeugt bin und ausgehe.

Doch das kläre ich nicht allein durch Überlegung, sondern nur durch geistige Versenkung. Damit beginnt es. Ohne geistige Versenkung kann mir nichts bewusst werden. Und ohne Bewusstheit kann ich keine Haltung haben, die Frieden und Einheit im Blick hat. Und ohne das habe ich nicht die Energie, die mich dorthin bringt.

Frieden und Einheit finde ich nicht im Außen, sondern allein in mir selbst, jedoch nur dann, wenn ich mich nicht mehr der Konvention wegen verleugne. Das wiederum bedeutet, dass ich absolut offen und ehrlich zu dem stehen muss, wie ich wirklich bin, denn allein im Bewusstsein und der geistigen Versenkung kann ich den Dingen auf den Grund gehen.