Wir leben, wie wir denken

Als kleine Kinder erleben wir die Welt unmittelbar und direkt und nicht wie später als Jugendliche und Erwachsene durch den Schleier und die Filter unserer Gedanken. Wir nehmen die Welt genau so wahr, wie sie ist. Doch das können wir natürlich nicht ausdrücken, wir empfinden es nur. Und so, wie wir es empfinden, interpretieren wie es dann entsprechend.

Was wir als Kinder erleben legt den Grundstein für unser späteres Leben, unser Welt- und Menschenbild. Unsere Eltern, wenn sie nicht die Eltern waren, die man sich als Kind wünschen würde, steckten in dem gleichen Dilemma fest, denn sie haben ihr eigenes Verhalten auf Grund ihres eigenen Erlebens definiert. Und so werden vielleicht viele schuldlos schuldig. ALs Kinder schuldlos, als Erwachsene schuldig.

Doch ich komme erst dann aus diesem fatalen Prozess heraus, wenn ich erkenne, dass ich kein Opfer der Umstände bin, sondern durch mein Bewusstsein die Welt definiere, in der ich lebe. Wir leben in einer virtuellen Realität, an der wir alle aktiv beteiligt sind. Sie glauben das nicht? Doch genau das sagen uns Quantenphysiker, Bewusstseinsforscher, Neurologen, Systemiker und Wissenssoziologen.

Nur ist das so regelrecht ungeheuerlich, dass es schwer fällt, dies anzunehmen. Ich erschaffe Realität dadurch, wie ich die Realität interpretiere. Ein anderer, der das gleiche gesehen hat, würde es wahrscheinlich ganz anders erleben. Ich nehme nicht die Realität an sich wahr, sondern immer nur meine Interpretation. Das bedeutet, dass ich in meiner eigenen, persönlichen Realität lebe, die auf meiner Interpretation und letztlich auf meiner Haltung basiert, die wiederum durch mein Welt- und Menschenbild bedingt ist.

Auch in meiner Interaktion mit anderen Menschen ist der Schlüssel meine Interpretation der Situation. Doch diese Interpretation ist definiert durch exakt die Überzeugungen, die ich als Kind angenommen habe. Es ist also nicht die Situation, sondern meine eigenen unbewussten Überzeugungen, mein eigenes Welt- und Menschenbild, das mich die Situation auf eine ganz spezifische Art und Weise interpretieren und damit auch erleben lässt.

Und genau so erzeuge ich die Reaktionen anderer durch meine eigenen Einstellungen und meine Haltung. Da wir aber in einem Feld des Möglichen leben, richten sich meine Absichten auf genau die Möglichkeiten, die dazu passen. Mein Nachbar hat, wenn er mir begegnet, immer die Wahl. Entweder er ist freundlich, ablehnend oder er ignoriert mich. Doch weil er ja vielleicht nicht absolut festgelegt, nicht eindeutig entschieden ist, gibt meine eigene Haltung letztlich den Ausschlag, welche dieser potentiellen Wahrscheinlichkeiten tatsächlich eintritt und Realität wird.

Also kann ich mir die Welt leider nicht schön denken, aber überall dort, wo der andere noch unentschlossen ist, ist mein eigenes Verhalten das Zünglein an der Waage.