Wie verlassen wir gedankliche Schleifen und Muster?

Warum scheint es so schwierig zu sein, die neuronale Struktur des Gehirns zu ändern? Wir machen immer wieder den gleichen (inhaltlichen) Fehler, solange wir in der identischen Denkstruktur wie bisher denken, das heißt so lange wir keine stimmigere Struktur haben. Sichtbar wird das an den sprachlichen Frames, die wir benutzen. Ganz ähnliche Zusammenhänge kennen wir auch auf der körperlichen Ebene. Wir bewegen uns so, wie wir uns im Rahmen unserer Skelettstrukturen organisieren. Das zu erkennen ist relativ einfach, etwa durch Feldenkrais-Übungen, die uns helfen, uns angemessener zu organisieren.

Doch beim Denken ist diese Struktur nicht wie beim Körper durch das Skelett vorgegeben; wir sind relativ frei, diese Struktur selbst zu definieren. Die Struktur des Denkens ist zum einen durch die Gehirnstruktur vorgegeben, etwa dass das Gehirn wie ein Netzwerk organisiert ist, dass es nicht kontrollierbar ist und so weiter. Doch es ist bereits dadurch individuell organisiert, wenn etwa diese Gegebenheiten ignoriert werden. Das Skelett definiert, wie wir laufen, der Aufbau des Gehirns aber in wesentlich geringerem Maß, als wir denken.

Der Struktur, die das Skelett dem Bewegungsablauf vorgibt, entspricht das Welt- und Selbstbild, das dem Denken zugrunde liegt. So kann ich etwa davon ausgehen, dass der Baum, den ich sehe, real genau so existiert, oder ich kann davon ausgehen, dass der Baum letztlich in meinem Kopf entsteht, eine Denkleistung. Die Wirklichkeit, die wir sehen, ist für uns so selbstverständlich, dass wir meist gar nicht darüber nachdenken mit der Folge, dass uns das Mysterium des Lebens verschlossen bleibt.

Solche Denkstrukturen sind etwa in unserer Sprache offensichtlich. Wir können Sprache mechanisch gebrauchen, was wir üblicherweise tun – oder eben nicht. Doch die wichtige Frage ist erst einmal, welche Denkstruktur wir überhaupt zukünftig nutzen wollen. Wie wollen wir also denken? Wir fangen ganz einfach mit einer Liste an und notieren Punkt für Punkt, was uns wichtig ist. Doch dann brauchen wir noch eine Art Stylesheet, eine Anweisung an uns selbst, damit wir auch wirklich so denken und nicht gleich wieder in die alten Strukturen zurückfallen. Nur weil wir etwas wollen, tun wir es noch lange nicht. Wir müssen entsprechend leben, heißt wir müssen es ohne wenn und aber sein! Doch das ist nicht so einfach, denn wir haben ja keine bewusste Kontrolle über uns selbst.

Diese scheinbare Pattsituation lässt sich erstaunlich leicht auflösen. Wir brauchen uns nur zu fragen, wie wir sprechen und leben würden, wenn wir so denken würden, wie wir es anstreben, genauer, wie andere uns erleben würden. Ein paar Beispiele: Wenn ich einfach und klar denke, kann ich nicht verspielt leben. Meine Küche sieht genau so aus, wie ich auch koche. Und ich fahre exakt so Motorrad, wie ich denke. Warum bin ich immer dann am kreativsten beim Schreiben, wenn mein Schreibtisch ordentlich ist?

Wir räumen gerade unsere Wohnung komplett um, alles, was nicht der Art entspricht, wie meine Frau und ich denken wollen, fliegt raus. Man hat in Tests festgestellt, dass Menschen in Badehose Mathe-Aufgaben schlechter lösen als in ordentlicher Kleidung. Innen und Außen sind eben ineinander verwoben. Wie wir denken, so gestalten wir unser Außen. Und das Außen gestaltet unser Innen. Mindestens ebenso wichtig ist unsere Sprache. Also analysieren wir unsere Sprache und klopfen sie auf die darin enthaltenen Frames ab. 

Wenn wir uns dessen bewusst sind, wie wir leben und wie wir sprechen, wird uns klar, wie wir denken. Das ist die Voraussetzung, um andere Frames und eine andere Art zu leben definieren zu können. Und so „bauen“ wir die neuronale Struktur unseres Denkens um. All das beginnt mit der einen Frage: 

„Wie wäre ich, wenn ich so denken würde, wie ich denken will?“