Wie leben?

Will ich wissen, wie ich leben sollte, dann darf ich nicht von meinen Träumen und Wünschen ausgehen, sondern muss davon ausgehen, was ich sehe, wenn ich einmal ehrlich in den Spiegel schaue. Und das betrifft mich und die Gemeinschaft der Menschheit.

Der Preis, den wir für unseren sogenannten Fortschritt zahlen, stürzt nicht nur die Menschheit ins Elend, sondern droht die ganze Erde zu beschädigen und vielleicht auch alles Leben zu vernichten. Menschen die versuchen, die Leuten über die wahren Ursache und die zu erwartenden Wirkung aufzuklären, werden ausgegrenzt, so wie etwa Hannah Arendt. Aber sie hat eben recht.

Ich muss nur nach Auschwitz-Birkenau fahren um zu sehen, dass es offensichtlich ist, daß der Mensch sich selbst nicht versteht, weil er sich nicht zu verstehen wagt; er hat alle Zugänge zu einem Verständnis seiner selbst regelrecht verrammelt. Gerade in den vermeintlich unverständlichen Dingen sehen wir, dass der Mensch etwas vor sich verborgen hält, nicht wahrhaben will. Darum reagieren wir so oft mit Unverständnis. Doch das betrifft uns selbst selbst, nicht den anderen! Was ein Mensch tut, müsste ein anderer Mensch eigentlich verstehen. 

Er sieht den Hinweis auf eine Wahrheit, die er instinktiv in sich selbst weiß. Und darum will er sie nicht sehen, will sie nicht wissen, schaut weg. Wir wissen zwar, wie man auf den Mond fliegt, die menschliche Natur jedoch ist uns noch immer fremd. zumindest den meisten. Doch die Frage wie er es schafft, das immer wieder vor sich selbst zu verbergen, das ist eine müßige Frage, denn entscheidend ist doch endlich zu sehen, was er nicht sehen will. Doch das kann man nicht erklären, man muss nur genau hinschauen. Denn es ist offensichtlich: Wir machen uns etwas vor.

Wie heißt es doch in den Gedichten zu 1001 Nacht? Die Menschen schlafen einen tiefen Schlaf, erst in ihrer Todesstunde erwachen sie. Es hat jedoch überhaupt keinen Sinn, zu erklären zu versuchen, warum das so ist, wenn wir nicht zuvor erkennen, dass der Mensch alles tut, um das Verständnis des eigenen Wesens zu umgehen. Erst wenn er das nicht mehr tut, kann er den Dingen und sich selbst auf den Grund gehen und die Maske des Ego abnehmen.