Wenn die Wirklichkeit aufhört wirklich zu sein

Man muss die Welt der vermeintlichen Wirklichkeit verlassen und abtauchen in eine rein gedankliche Welt, um dann daraus wieder aufzutauchen, will man die Wirklichkeit ernsthaft anders gestalten. 

Gerade habe ich angefangen einen Beitrag mit dem Titel „Die Quantentheorie und der Kampf um die Seele der Physik“ auf dem Blog der großen Fragen zu lesen. Dabei tauchte in meinem Hirn die Frage auf, ob es dabei wirklich nur um die Seele der Physik oder doch eher um die Seele der Welt und damit auch unsere eigene und vor allem natürlich um meine eigene geht. Ziemlich am Anfang ist nämlich zu lesen, dass Quantenphysiker gerne einen Satz benutzten würden, der es in Labors fast schon zum geflügelten Wort gebracht habe: „Maul halten und rechnen!“ hieße es dort lapidar. 

Warum dieser Satz? Einfach deshalb, weil man nur so die philosophischen Fragen im (Forschungs-) Alltag abblocken kann, die die Quantenmechanik eben aufwirft. Und nichts anderes tun wir im ganz normalen Leben auch, Tag für Tag. Man kann es auch kurz so zusammenfassen: „Nur nicht nachdenken und bloß keine vermeintlichen Selbstverständlichkeiten hinterfragen!“

Noch keiner hat mir meine Frage beantwortet, wie der Baum, den ich betrachte, in meinen Kopf und auch noch in den dessen kommt, der den selben Baum zu gleicher Zeit wie ich betrachtet. Wir sehen doch den selben Baum, würde man denken. Aber tun wir das wirklich? Ich kann ja unmittelbar keinen Baum „sehen“, es ist nur reflektiertes Licht, das auf meine Netzhaut trifft, dort in elektrische Impulse umgewandelt und an mein Gehirn weitergeleitet wird, wo es dann zu einem auf dem Kopf stehenden Bild decodiert wird, das dann wieder gerade gerückt wird. 

Als ich eine neue Brille mit einem starken Zylinder bekam, stand die Welt um mich herum nicht mehr still, sondern sie bewegte sich gewaltig bei jeder Kopfbewegung. Aber jetzt ist sie wieder ganz ruhig und alles bleibt an seinem Ort, und wenn ich noch so sehr den Kopf hin und her bewege. Mein Gehirn hat gelernt, mir ein akzeptables Bild zu präsentieren. Wenn mir aber mein Gehirn schon bei ganz konkreten Dingen wie einem Baum oder einem Stuhl nur eine Interpretation liefert, woher soll ich dann wissen, wie der Baum oder der Stuhl in Wirklichkeit überhaupt aussieht? 

Ist nicht schon die Antwort auf die Frage, woraus der Sessel, in dem ich gerade sitze, besteht, nicht mehr als eine gedankliche Rechenleistung meines Gehirns? Ist doch egal, könnte man denken, Hauptsache er ist zu dem nutze, wofür ich ihn brauche und sieht auch noch gut aus. Ja, das könnte man. Und klar, das taugt auch für den Alltagsgebrauch. Aber in dem Moment, in dem es nicht mehr funktioniert, wie es funktionieren soll, nicht der Sessel, sondern ich und alles, was mit einem oder vielen Menschen sowie der Natur zu tun hat, also alles, was keine tote Materie ist (mal unterstellt, dass das so wäre ), welche Gesetzmäßigkeiten oder Regeln muss ich dann beachten? Kann ich dann noch von einer Realität ausgehen, die ganz konkret so und nicht anders existiert? Kann ich dann noch von etwas sagen, es wäre so und nicht anders?

Klare Antwort: Das kann ich nicht. Lebendige Phänomene, darauf will ich es einmal beschränken, erscheinen mir auf eine bestimmte Art und Weise, aber sie sind nicht das, was sie zu sein scheinen. Darüber lässt sich gewaltig spekulieren, also nicht darüber, sondern was das bedeutet. Da wird es dann Zeit sich zu entscheiden, worauf man aufbauen will. Für mich sind es einige wenige Dinge. Einmal Chan, dann die fundamentalen Fragen der Quantenphysik und das ganze mit eigenem Denken kombiniert. Was bleibt einem sonst übrig? Wie gesagt:

Man muss die Welt der vermeintlichen Wirklichkeit verlassen und abtauchen in eine rein gedankliche Welt, um dann daraus wieder aufzutauchen, will man die Wirklichkeit ernsthaft anders gestalten.