Welche Rolle spielt es für die Welt, was ich tue?

Eine gravierende! Denn ich gehe davon, dass es nicht nur sprachlich nur ein Bewusstsein gibt, zwar in sich differenziert, aber doch untrennbar Eines, so wie auch die Natur in vielfältigster Weise differenziertes Eines ist. Wenn das so ist, dann hat dies ganz klar Konsequenzen für die Bedeutung dessen, was ich tue oder eben nicht.

Doch dazu muss ich ein wenig ausholen. Am Beispiel des Nationalparks Bayerischer Wald zeigt sich, dass Gebietsschutz wesentlich effektiver ist als Artenschutz. Oder die Wiederansiedlung der Wölfe im Yellowstone Nationalpark. Die führte dazu, dass das natürliche ökologische Gleichgewicht in der Zwischenzeit wiederhergestellt wurde. 

Fazit: Sobald sich der Mensch nicht mehr einmischt, funktioniert es ganz von alleine. Aber ist das eine Frage des Bewusstseins oder der Intelligenz? Ich sage ja! Warum? Weil es keinem Menschen auch nicht mit dem ausgeklügeltsten Computerprogramm möglich wäre, diesen idealen Effekt des ökologische Gleichgewichts herzustellen. Würde das ein Mensch können, sprächen wir ganz selbstverständlich von Bewusstheit und Intelligenz.

Aus der Systemtheorie wissen wir ja, dass Systeme selbstorganisierend sind, was letztlich auch Bewusstheit und Intelligenz des Systems voraussetzt, sonst könnte das ja nicht  funktionieren. Und da die Wissenschaft sich verdammt schwer damit tut, Bewusstsein und Intelligenz irgendwo im Menschen zu verorten und ich mich auch frage, wie Termiten mit ihren winzigen Gehirnen einen Termitenbau hinbekommen, den aber kein Mensch hinbekäme, gehe ich davon aus, dass Bewusstsein wie Intelligenz zwar von uns in Anspruch genommen wird, aber tatsächlich allem Existierenden inne ist.

Dazu kommt, dass das einzelne System ja durch die Betrachtung definiert wird. Betrachte ich nur mich, hört das System bei mir auf. Betrachte ich hingegen meine Ehe, sind wir schon zwei. Und betrachte ich meine Familie, ist es wieder anders. Letztlich ist das Denken in Systemen eine Hilfe, um ein aberwitzig komplexes System in kleine überschaubare Teile zu zergliedern. Nur vergisst man dabei allzu leicht, dass das einzelne System nur ein Teil von etwas Größerem ist, was allzu leicht zu dem Medizin-Phänomen führt: Man behandelt ein Organ, aber nicht das Ganze. Deshalb gehe ich, wenn möglich, immer zu meinem TCM Doktor.

Und exakt so ist es auch mit dem, was ich tue. Ich kann das in seinen Auswirkungen nur auf mich bezogen sehen. Oder ich ziehe die Grenze ein wenig weiter, was die Auswirkungen letztlich potenziert. Und so weiter und so fort. Das müssen wir sehen, aber nicht, dass auch noch Andere ihr Verhalten „einbringen“ und mein Anteil damit kleiner und kleiner wird. Mein eigenes Verhalten wird dadurch nicht kleiner, sondern das Ganze nur größer. Mein Verhalten aber bleibt in seiner Auswirkung zu 100% erhalten.

Also sollte ich tunlichst darauf achten, was ich tue und nicht denken, dass etwa meine Unordnung nur privat sei. Ich nehme mich zwar als getrennt wahr, jetzt beispielsweise sitze ich alleine in meinem Wohnzimmer, aber mein Bewusstsein ist es nicht. Will ich also eine Welt im Gleich- und nicht im Ungleichgewicht, muss ich selbst auch für genau dieses Gleichgewicht sorgen und nicht etwa denken, dass es ja doch keiner sieht.

Und das ist das eigentliche Problem, das es zu überwinden gilt: Wir können uns das nicht bildhaft vorstellen, wir können das nur denken. Dass ich existiere hat mit unfassbar vielen scheinbaren Zufällen zu tun, bis hin zu dem Zufall, dass der Kosmos überhaupt entstanden ist. Nun kann man das so sehen, dass hinter all dem eine Intelligenz steht, die das Ganze managt, oder aber diese Intelligenz sowie die Bewusstheit sind immanent. 

Die gleiche Intelligenz und Bewusstheit, die letzten Endes auch mich ermöglichte, ist auch meine eigene Intelligenz und Bewusstheit. Doch hätten Sterne, Galaxien und Menschen vor mir auch gedacht, dass es doch egal ist, was sie tun, da sie ja so verschwindend klein und wahrlich völlig unbedeutend sind, so dass sie doch überhaupt keine Rolle spielen würden und es deshalb egal wäre, was sie tun, dann wäre etwas ganz anderes entstanden, dann gäbe es vielleicht keine Welt, keine Natur, keine Menschheit und auch mich nicht. 

Was sich im Nationalpark Bayerischer Wald oder im Yellowstone Nationalpark zeigt, ist, dass der Mensch nur seine Finger aus dem Spiel lassen müsste, und alles wäre gut. Aber wir haben nun einmal unsere Finger drin. Und genau deswegen sollten wir uns sehr sorgfältig überlegen, was wir gerade tun. Was tue ich der Welt an, wenn ich nur mein Geschirr nicht spüle? Ich denke dann nämlich „ach, ist doch egal, mache ich morgen und Ordnung ist eh überbewertet“ und schicke genau diese Gedanken in die Welt. Gerade dieses banale Beispiel macht das grundsätzliche Problem von fehlender Bewusstheit und Achtsamkeit deutlich. 

Ich bin jedoch nicht „privat“ unterwegs. Nie. Es geht nicht, einfach deshalb nicht, weil weder meine Bewusstheit noch meine Intelligenz wirklich meine sind. Es sind nur gefühlt meine Bewusstheit und meine Intelligenz, doch in Wirklichkeit ist es die Bewusstheit und die Intelligenz des Kosmos. Und die gestalte ich mit, wie jeder andere und auch wie jeder Stern. Dabei geht es nicht darum zu denken, dass ich an dem Kosmos schnitzen könnte oder würde wie an einem Stück Holz. Es geht um die in meinem Tun zum Ausdruck kommende Haltung. Und wenn ich das Geschirr nicht abspüle, entspricht genau das meiner (inneren) Haltung. Die habe ich eben immer, auch dann, wenn gerade kein Geschirr herumsteht. Und damit schicke ich sie permanent in die Welt.

Eine Haltung ist immer genau so, wie sie eben ist, was jedoch nicht heißt, dass sie nicht änderbar wäre. Vorausgesetzt natürlich, ich bin mir bewusst, was dazu notwendig ist. Denn mit wollen allein ist es nicht getan.