Selbsterkenntnis

Mich selbst zu verstehen ist eine wirkliche Herausforderung, denn das heißt letztlich die Welt zu verstehen. Denn wie kann ich mich selbst verstehen, wenn ich nicht auch alles andere verstehe? Schließlich kann ich ja auch nicht ohne alles andere existieren. Gäbe es das andere nicht, gäbe es mich auch nicht. Und dazu gehört eben alles andere auch, ob ich es nun mag oder nicht.

Alles ist bedingt, nichts geschieht zufällig. Und daran ändert wohl auch nichts, dass es auf der materiellen Ebene unter sehr spezifischen Umständen den objektiven Zufall gibt. Einen anderen zu verstehen heißt also, mich selbst zu verstehen. Und umgekehrt. Doch damit ist kein intellektuelles Verständnis gemeint, eher so eine Art von Empfinden und Spüren. Aber bitte ganz ohne dieses Ego-Ich. Einen anderen zu spüren heißt mich selbst zu spüren; mich in ihm selbst zu erfahren. Doch dass nichts zufällig geschieht bedeutet nun nicht, dass es vorherbestimmt wäre. Das ist etwas ganz anderes, denn ich ich habe immer die Wahl, wie ich reagiere.

In der Natur folgt alles einer immanenten Gesetzmäßigkeit. Der Mensch scheint sich jedoch in der Natur einen eigenen Raum geschaffen zu haben, in dem die Menschheit gerade ausgesprochen destruktiv agiert. Wenn der Kosmos bewusst ist und eben kein seelen- und geistloser Materiehaufen, wofür sehr, sehr viel spricht, wenn er auch nicht in unserem Verständnis beseelt oder geistvoll, sondern unvorstellbar anders, wenn das also so ist, dann stellt sich vielleicht die Frage, warum die Menschheit derart konstruktiv und auch destruktiv ist.

Und sagen Sie jetzt bitte nicht „Ich doch nicht!“ Es ist ja eines der großen Denk-Probleme unserer Zeit (und auch früherer Zeiten), dass wir wie Aschenputtel fein säuberlichen zwischen gut und schlecht unterscheiden und uns von anderen Menschen als getrennt ansehen. Differenziert sind wir ja, aber eben nicht getrennt. Warum das so ist, darüber kann man sich wirklich den Kopf zerbrechen und wird vielleicht doch nie zu einer stimmigen Antwort kommen.

Oder man verzichtet auf das Wissen darum, weshalb das so ist und sieht ein, dass das ganz einfach bescheuert ist und wir endlich damit aufhören sollten. Doch nicht aus moralischen oder ethischen Gründen, sondern aus ganz logischen. Denn wenn man genau hinschaut kann man unschwer erkennen, dass die Welt nichts anderes ist als eine Art Lebewesen. Was aber werde ich verlieren, wenn ich mich auf diese Sichtweise einlasse? Nichts! Denn es bleibt alles, wie es vorher schon war. Und was ich gewinnen kann? Erst einmal auch nichts! Denn nichts wird anders sein. Aber ich werde mich wahrscheinlich zukünftig anders verhalten.

Dann kann ich sehen, was ist, und so kann ich  für mich den destruktiven Kreislauf beenden. Und je mehr das tun, desto besser.