Ich, ein gläubiger Ungläubiger

Oder doch eher ungläubiger Gläubiger? Ich weiß zum Beispiel, dass es sehr schmerzhaft sein kann, wenn mir ein Stein auf den Kopf fällt. Obwohl ich andererseits auch weiß, dass Steine nicht fallen, weil es ja keine Gravitationskraft gibt, sondern die sozusagen im Raum-Zeit-Kontinuum herumkugeln. Und ich weiß auch ganz genau, dass im Normalfall eine Wand sehr, sehr undurchdringlich für mich ist, auch wenn sie irgendwie aus Nichts besteht. Und ich ja eigentlich auch. Aber das sind irgendwie alles nur Konzepte, die ich mir so denke und an die ich dann auch noch zu allem Überfluss glaube. Wenn ich nicht an sie glauben würde, könnte ich vielleicht durch Wände gehen – wer weiß das schon?

Rot gibt es nicht und auch kein Blau und keine Farbe, nicht einmal hell und dunkel gibt es wirklich. Trotzdem mache ich abends das Licht an, damit ich besser sehen kann und nicht im dunklen sitze. Und da soll ich nicht verwirrt sein? Mich, Sie und die Welt gibt es und gibt es doch wieder nicht? Ganz schön anstrengend, das zu denken und sich dann auch noch im Leben zurecht zu finden. Wo doch all die wichtigen Dinge im Leben eines Menschen, Bewusstheit und Intelligenz irgendwie nicht zu finden sind. Bin ich etwa so eine Art Fingerpuppe, fremdgesteuert, ohne eigenen Willen, die sich dann aber auch noch einbildet, sie sei echt und könne was für sich entscheiden? Viele denken ja, dass es eh geschehen wird, wie es geschieht, da müsse ich mir gar keinen Kopf machen. 

Aber wenn ich da den Dopelspaltversuch einmal anschaue, dann kann das irgendwie nicht stimmen, denn dann macht das, was ich beobachten will den gravierenden Unterschied, und zwar wirklich einen gewaltigen. Was also ist jetzt richtig? Lebe ich in einer Welt des Möglichen oder aber in einer, zumindest für mich, konditionierten Welt? Wobei mir dabei der Gedanke oder vielleicht doch eher der Verdacht kommt, dass ich das einfach noch nicht beantworten kann, weil ich dafür, wie Einstein sagen würde, noch keine passende Theorie gefunden habe? Immerhin sind sich die Quantenphysiker (und natürlich auch andere) darüber einig, dass zwei Wahrheiten sehr wohl nebeneinander existieren können.

Kann es sein, dass ich zwar zwei Dinge als sich widersprechend wahrnehme beziehungsweise denke, sie es aber doch nicht sind? Also mal von vorne. Richtig gut Motorrad fahre ich ja nur dann, wenn es mich auf dem Motorrad nicht (mehr) gibt, also schon körperlich, aber eben nicht denkend, auch wenn ich nicht aufhöre zu denken, nur eben dass ich nicht bewusst denke und da nur noch das Fahren ist. 

Sobald „ich“ etwas tun will, also willentlich und mit Absicht, dann wird es schwierig. Was aber nicht heißt, dass ich mich nicht vorher an den Tisch setzen und überlegen kann, wie ich meinen Fahrstil optimieren könnte. Wenn ich dann fahre, sollte ich das alles bitte auch wieder vergessen haben! Obwohl, erst einmal muss ich es lernen … . 

Noch schnell einmal ganz zurück zum Anfang. In einem bin ich mir ziemlich sicher, nämlich dass das, woran ich glaube, auch meinen Ereignishorizont definiert. Dahinter oder danach ist einfach Schluss. Nicht, weil es definitiv unmöglich wäre, dahinter zu schauen, sondern weil ich einfach nicht weiß, woran es liegt, dass ich nicht dahinter schaue. Es kann sowohl unmöglich wie eigenes Unvermögen sein. Obwohl, in einem bin ich mir sicher: Sehr, sehr vieles ist so, wie es ist , weil ich es als „es ist so“ definiere. Und nicht etwa definiert habe, dass tue ich immer wieder von neuem, in jedem Augenblick. Ich setze mir also selbst immer wieder die gleichen Grenzen, einfach durch meine Überzeugungen, die dann für mich auch definitiv unüberwindlich sind. Eben weil ich sie gesetzt habe. Wo sie aber wirklich aufhören könnten, das weiß ich nicht. Hinter dem Ereignishorizont ist ein schwarzes Loch.

Ich glaube, nein, ich denke, ich fahre jetzt erst einmal eine Runde Motorrad, da klären sich solche Fragen am leichtesten und besten.