Es geht um nichts

Und doch geht es um alles. Wenn das mal kein Paradox ist! Im Zen sagt man ja, wenn das falsche Denken plötzlich für einen Moment aufhöre, man durch den eigenen Geist hindurchsehe und die Leere erkenne, dann spräche man von Erwachen.

Es ist schon verrückt, dass wir Kleider anziehen, um uns keine Blöße zu geben, obwohl doch jeder weiß, wie wir darunter aussehen. Warum tun wir das? Aus irgend einem sozialen Grund, der unser Zusammenleben gewährleistet, irgendwie, aber in der Sauna nicht notwendig ist. Und es ist ein echter, aber schlechter Witz, dass wir das Selbe auch mit unseren Gedanken machen. Wir sagen nicht was wir wirklich denken, sondern wir sagen lieber das, was opportun ist, was den anderen nicht verletzen kann – mit anderen Worten: Wir halten uns brav an die Regeln der Konvention. 

Ist schon komisch mit dem Schamgefühl. „Verletzt“ sind ja nicht nur die Betroffenen, sondern auch viele andere, wenn sich einer nicht an die Regeln hält. Sind Kleider, außer dass sie wärmen, also im Sommer etwa, nichts anderes als Konvention? Eine soziale Übereinkunft darüber, was man tut und was nicht, was schicklich ist und was nicht, nur damit es im sozialen Getriebe nicht knirscht?

Doch warum um Himmels Willen hüllen wir unser Denken in Methoden und Konzepte, warum denken wir überhaupt „falsch“? Das ist so, als ob ich mich als schlank ansehen würde, aber 30 Kilo zu viel auf den Hüften und sonst wo habe. Ich hatte mal 30 zu viel, doch richtig dick fand ich mich erst hinterher. Und abgenommen habe ich auch erst, als ich feststellte, dass ich einfach fett geworden war. Ein schlichtes Wahrnehmungsproblem, einfach das Offensichtliche nicht sehen wollen.

Doch warum es es so schwierig, anders zu denken? Ganz einfach, weil es uns dann gehen würde wie Einstein, der wollte auch nicht an die Quantenmechanik glauben, weil das nicht in sein Weltbild passte. Ja, immer der Ärger mit den Weltbildern. Aber wie sagte doch David Bohm: „Es steckt eine Menge Gewalttätigkeit in den Meinungen, die wir verteidigen. Sie sind nicht lediglich Meinungen, nicht lediglich Annahmen; sie sind Annahmen, mit denen wir uns identifizieren und die wir daher verteidigen, weil es ist, als würden wir uns selbst verteidigen.“

Wir sind mit unseren Meinungen, Vorurteilen und Ansichten so vollkommen identifiziert, dass wir das gar nicht mehr wahrnehmen. Wir haben uns ganz einfach daran gewöhnt, es ist uns absolut selbstverständlich geworden. Aber die Frage ist nicht, warum wir das tun, sondern die Frage ist, wann wir uns endlich aus diesem selbst errichteten Gefängnis befreien!

Das Verrückte ist, dass uns ja dabei absolut nichts passieren kann. Außer vielleicht, dass wir hinterher das Krönchen wieder zurechtrücken müssten.