Bereit zu scheitern?

Ja, manchmal ist es wirklich gut, regelrecht aufzugeben und die Flügel zu streichen. Ein, wie ich zugebe, erklärungsbedürftiger Gedanke. Gerade habe ich diesen wunderbaren Satz im Netz gelesen: „Geht es auf Gedankenpfaden nicht mehr weiter, kommt echte Belehrung zustande.“ Also belehren wie ein Schulmeister möchte ich natürlich niemanden, auch wenn man mir das immer wieder einmal unterstellt. Aber warum ist das so?

Ich will versuchen, es mit den Worten von David Bohm zu erklären. Er sagt nämlich, dass eine Menge Gewalttätigkeit in den Meinungen steckt, die wir verteidigen. Warum wir das tun? Weil wir uns mit unseren Überzeugungen identifizieren und sie daher verteidigen, weil es kommt uns so vor, als wären wir selbst angegriffen. Warum das so ist? Das hat mit unserem biologischen Erbe zu tun. 

Wir haben unseren Selbstverteidigungstrieb von wirklichen Feinden, die unser Leben bedrohten, schlicht und einfach auf unsere „Denkfeinde“ übertragen. Doch weil ja „nur“ eine Meinung angegriffen wird, stellen wir diesen Zusammenhang nicht her, empfinden wir das Gefühl der Gefahr nicht, das die Meinung des anderen in uns auslöst. Und regen uns statt dessen lieber über ihn auf. Schließlich braucht die Wut oder eher auch die Angst ein Ventil.

Doch wenn wir nicht bereit sind, das auszuhalten, also zu scheitern (!!) so lange wird uns das nicht bewusst. Und es bleibt, wie es ist. Aber vielleicht hilft es ja sich bewusst zu machen, dass die eigene Intelligenz erfordert, dass man eine Meinung nicht verteidigt. Es gibt keinen Grund, an einer Annahme festzuhalten, wenn sie falsch sein könnte. Im Gegenteil, nichts ist besser, als eine falsche Annahme zu tilgen.

Und damit bin ich wieder bei der Belehrung. Ein anderer kann mich doch nur dann im negativen Sinn belehren, wenn ich mir meiner selbst, also meiner eigenen Überzeugung und Meinung nicht wirklich sicher bin. Eine korrekt strukturierte Annahme oder Meinung ist eben offen für Hinweise, dass sie nicht richtig sein könnte.

Erinnert mich sehr an die Kultur der Samurai. Die kämpften auch nicht, um dem anderen den Kopf abzuhauen, sondern um das Bessere und Richtigere durchzusetzen.