Wissen, Struktur & Bewusstheit

Ist alles nur eine Frage des Wissens, der Struktur und der Bewusstheit? Darüber denke ich in der letzten Zeit oft nach. Was mich ausmacht, sind die sogenannten Skandhas. Das sind (1) meine Körperlichkeit, (2) meine Gefühle und Empfindungen, (3) meine Wahrnehmungen, (4) mein Geist und mein Denken sowie (5) mein Bewusstsein.

Das alleine ist es jedoch nicht, nach den Erkenntnissen des Ch’an kommt noch das Bewusstsein der Leere hinzu. Ist es also so, wie Huang-Po einmal gesagt hat, dass, könnte der gewöhnliche Mensch, wenn er im Sterben liegt, nur die fünf Daseinsfaktoren als leer erkennen, er dann  blitzartig Erleuchtung erlangen würde?

Ein Quantenmechaniker würde wohl nicht von Leere, sondern in der Sprache seiner Profession von Kohärenz sprechen – aber damit das Gleiche meinen. Brauche ich also nur dieses Wissen, alles andere ist eine Frage der Organisation? Oder ist es vielmehr so, dass in dem Moment, in dem ich das weiß und mir dessen auch bewusst bin, ich mich automatisch anderes organisiere?

Ganz so einfach ist es jetzt doch nicht, den dieses Wissen muss nicht nur im Geist, sondern eben auch im Bewusstsein angekommen sein. Dann werde ich mich automatisch „richtig“ organisieren. Auf der körperlichen Ebene kann ich das sehr schnell erfahren. Mache ich eine Feldenkrais-Übung und wird mir bei einer Bewegung ein Zusammenhang bewusst, in dem mir die Struktur meines Skeletts bewusst wird, „organisiere“ ich mich automatisch besser, ich muss keinen Gedanken mehr an die „richtige“ Organisation verschwenden.

Daher ist das Bedürfnis nach Organisation nichts anderes als ein Synonym für nicht vorhandenes Bewusstsein über die zugrundeliegende Struktur. Auf der körperlichen Ebene ist das definitiv so. Auch auf der Ebene der Gefühle, Empfindungen und Emotionen, der Ebene der Wahrnehmung und der Ebene des Geistigen ist es nicht anders.

Bin ich mir einer Sache vollkommen bewusst, etwa weshalb ich gerade empfinde, was ich empfinde, brauche ich in meine Empfindungen nicht mehr zu „organisieren“, etwa mich „zu beherrschen“ oder meine Gefühle nicht zu zeigen, denn aus dieser Bewusstheit heraus tue ich das Stimmige.

Beziehe ich das auf die angebliche Notwendigkeit der Konvention auf gesellschaftlicher Ebene, dann wird klar,  dass auch hier fehlendes Bewusstsein für die zugrundeliegenden Strukturen der Grund für die Annahme der Notwendigkeit von Konvention ist.