Wirklichkeit

Was wäre, wenn es ganz anders ist, als wir glauben? Man nimmt an, dass etwas zu besitzen zum Besitzdenken der Menschen geführt hat und im Weiteren zu Auseinandersetzungen, Egoismus und letztlich Kriegen. Was mir durchaus logisch erscheint – nur stimmt es auch?

Kann es nicht sein, dass wir Menschen uns zu dem entwickelt haben, wie wir eben geworden sind, ganz einfach durch unsere Sprache? Bei David Bohm habe ich das Beispiel eines indigenen Stammes gelesen, der für „Mensch“ und „Stammesangehörige“ den selben Begriff hat. Es ist nicht schwer, sich auszumahlen, wie diese Menschen mit Fremden umgingen, denn es waren – für sie – ja keine Menschen.

Eine Differenzierung, die wir aus der eigenen Geschichte kennen. Auch da hat man andere zu Unmenschen erklärt; was wir noch immer gerne tun, wenn wir beispielsweise sagen, dass die Taten der Nationalsozialisten unmenschlich waren. Was aber nicht zutrifft, denn auch sie waren Menschen.

Es fragt sich, ob hier nicht das Gleiche passiert, nämlich Aus- und Abgrenzung. Obwohl, eigentlich ist es keine Frage, denn es ist so. Also muss der Denkfehler wo anders liegen. Wahrscheinlich liegt der in unserer Sprache, einer Sprache, die sich durch ihre Begrifflichkeit zu einer Denkweise geführt hat, die ganz offensichtlich nicht mehr im Einklang mit den natürlichen Gesetzmäßigkeiten ist – wenn man genau hinschaut.

Unsere Sprache ist perfekt für die Handhabung technischer Dinge geeignet, aber eben nicht für lebendige Wesen. Wissen Sie beispielsweise, wie ein Atom aussieht, mit seinem Kern und seinen Elektronen? Sicher wissen Sie das, in der Schule ist Ihnen garantiert schon einmal das Bohrsche Atommodel über den Weg gelaufen.

Das Dumme ist nur, dass das zwar unserer Vorstellungswelt entspricht, aber nicht der Wirklichkeit. Die ist ganz anders. Über die Sprache, den Sprachgebrauch und den mit den Worte einhergehenden inneren Bildern – denn wir denken nicht in Worten, sondern in Bildern, so wie wir auch träumen – konstruieren wir regelrecht unsere Wirklichkeit.

Ob diese Wirklichkeit der wirklichen Wirklichkeit entspricht, das ist eine ganz andere Frage. Und die ist wohl ganz klar zu verneinen. Daher müssen (und nicht sollten) wir uns fragen, wie wir Wirklichkeit feststellen können. Sicher ist, dass philosophische wie psychologische Überlegungen auf die gleiche Weise entstanden sind, wie etwa die Differenzierung zwischen Mensch und Stammesangehörigem, nämlich durch unsere Sprache.

Also fangen wir doch sinnvollerweise damit an, einmal unserer Sprache und den darauf aufbauenden Konstrukten auf den Grund zu gehen und sie nicht als gegeben anzusehen, sondern eben als das, was sie sind: Konstruiert. Konstruierten Dingen geht man am besten dadurch auf den Grund, dass man sie untersucht. Und genau das müssen wir tun.

Sage ich zu einem Ziegelstein Ziegelstein, dann entspricht meine innere Vorstellung wohl einem Ziegelstein. Doch sage ich Baum zu einem Baum, dann muss die Frage erlaubt sein, ob meine innere Repräsentation eines Baumes das Wesen eines Baumes auch nur annähernd erfasst. Wenn ich das begriffen habe und das Wesen der Baumes sehen kann, dann kann ich auch damit beginnen, den Ziegelstein einmal genauer zu untersuchen. Der ist nämlich auch nicht, was er zu sein scheint.

Was also ist wirklich?