Wie wurde ich was ich bin?

Eine spannende Frage, nicht wahr? In meinem Verständnis fing es ganz banal an: bei meinen Eltern. Sie stellten mir sozusagen die Grundausstattung zur Verfügung. Biologisch betrachtet über Genetik und Epigenetik. Philosophisch gesehen war es eine Folge ‚meines’ Konstruktivismus, dessen Elemente und Formstruktur ich natürlich von ihnen gelernt habe.

Das waren sozusagen die Legobausteine, aus denen ich mir meine Welt zusammenbaute. Da spielt übrigens Marshall Mc Luhans Überlegung eine gewichtige Rolle, dass nicht nur das Medium die Botschaft ist, sondern eben die Form die Inhalte definiert und alles, was wir anwenden, zu einer Extension unseres Selbst wird.

Dass transgenerationale Phänomene im Leben der Menschen eine ganz wesentliche Rolle spielen, wird heute kaum jemand bestreiten wollen, es sei denn natürlich, man blendet die Erkenntnisse der aktuellen Wissenschaften einfach aus, weil sie nicht in das persönliche Weltbild passen. Was man aber nicht tun sollte, will man nicht den eigenen Überzeugungen auf den Leim gehen.

Mit ‚transgenerationaler Weitergabe‘ wird die Übertragung von Erfahrungen der Angehörigen einer Generation auf die Mitglieder einer nachfolgenden Generation bezeichnet, wobei es sich in der Regel um ein unbeabsichtigtes, oft unbewusstes und nicht selten auch ungewolltes Geschehen handelt. Und ja, es kostet letztlich einiges an Mut, sich einzugestehen, dass man so ist, wie man ist. Es fühlt sich eben fremd an, aber es ist es letztlich nicht. Schön paradox.

Sich das einzugestehen erfordert auch deshalb eine Portion Mut, weil regelmäßig ein „Nicht-Wahrhaben-Wollen“ damit einhergeht. Das betrifft aber nicht wirklich einen selbst, sondern die Eltern und Großeltern, die eben oft oder meist nicht so sind, wie sie sein sollten. Oder wie wir sie als Kinder gerne erlebt hätten. Aber den Gefallen tun sie ganz offensichtlich nur sehr, sehr selten.

Ich bin also so, wie ich bin, weil ich in der Sprache der radikalen Konstruktivisten die mir elterlicherseits zur Verfügung gestellten Legobausteine mit Hilfe der übernommenen (kopierten) gedanklichen Strukturen und Formen zu (m)einem Weltbild zusammengebaut habe – ob das nun der Wirklichkeit entspricht oder eben nicht – Hauptsache, es entsprach meinen Annahmen über die Wirklichkeit. Alles andere war doch – wohlgemerkt für ein Kind! – überhaupt nicht von Bedeutung!

Als Erwachsener weiß ich darum, dass wir alle in einer gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit leben und dass wir alle fleißig mit an dieser Konstruktion mitarbeiten. Es sei denn, wir wären uns selbst auf die Schliche gekommen und hätten uns endlich aus dem konventionellen Weltbild verabschiedet um endlich das Weltbild und damit das Weltverständnis zu definieren und zu designen, das der Wirklichkeit am nächsten kommt.

Wir dürfen nie vergessen, dass es nicht um ‚die‘ Wirklichkeit geht, sondern immer nur um die eigene, subjektive Wirklichkeit. Wenn wir uns daher fragen, was denn nun Wirklichkeit eigentlich ist, sollten wir uns nicht auf unsere subjektive Wahrnehmung verlassen, sondern den möglichst objektiven Erkenntnissen der Wissenschaften vertrauen. Das einzig Interessante sind daher Fakten, alles andere ist nur eine Konstruktion, ebene (m)eine Interpretation.

Ich bin also gut beraten, mich sehr bewusst und äußerst achtsam mit den Dingen wie den Menschen um mich herum in Beziehung zu setzen. Denn all das oben Geschriebene ist der ultimative Hinweis darauf, dass wir selbst unsere Welt gestalten. Natürlich sind die Dinge, wie sie eben sind. Doch wozu ich mich entscheide, wie es also weitergeht, das ist allein meine Verantwortung. Und weil ich kein Kind mehr bin, habe ich die Macht, zu tun, was ich tue. Und tue ich das auch noch aus einem ethischen Konzept heraus – was sollte da noch schief gehen?