Muster und Fraktale

Wie sich zurecht finden in der Welt?

Muster erkennen zu können ist das ganze Geheimnis! In meinem Beruf als Anwalt sind mir oft Klienten begegnet, die immer wieder wegen identischer „Probleme“ Rat suchten, obwohl das für mich als Juristen keine Probleme waren, sondern in der jeweiligen Situation ganz einfach ein unstimmiges wie unlogisches Verhalten.

Obwohl meine Argumente für ein besseres Verhalten – jedenfalls für mich – stimmig und auch nachvollziehbar waren, schaffen es nur wenige, ihr Verhalten wirklich zu ändern und meist auch nicht auf anhieb. Was mich ziemlich frustrierte und an meiner Beraterkompetenz zweifeln oder einfach die Intelligenz mancher Menschen in Frage stellen lies.

Mittlerweile habe ich jedoch erkannt, dass der Fehler bei mir selbst lag, denn ich hatte etwas Wesentliches übersehen: Die emotionale Seite der Menschen. Eines vorweg: Es gibt in der Welt keinen Menschen, der vorrangig logisch oder eben emotional orientiert wäre. Nur unsere Argumentation ist entweder logisch oder emotional orientiert, doch beides geht immer Hand in Hand, ist ein nicht trennbares Eines.

Für Logik wie auch für Emotionen gilt (interessanter oder logischer Weise?) ein identisches Prinzip: Je einfacher man etwas ausdrücken kann, desto besser. Wilhelm von Ockham, ein scharfsinniger Streiter für die Wahrheit, der damit oft aneckte, denn er stellte alles in Frage. Dafür exkommunizierte ihn der Papst. Ockham flüchtete nach München und fragte dort kritisch-hintergründig weiter. Er bevorzugte dabei eine spezielle Art der geistigen Rasur, wofür er das nach ihm benannte Rasiermesser nutzte: 

Ockhams Rasiermesser – auch Prinzip der Parsimonie oder Sparsamkeitsprinzip genannt – ist ein heuristisches Forschungsprinzip aus der Scholastik, das bei der Bildung von erklärenden Hypothesen und Theorien höchstmögliche Sparsamkeit gebietet.

Ein Prinzip, das ich gerne zum Ausgleich für meine oft längeren Texte nutze, sozusagen ein gedankliches Gegengewicht – Ein Satz, mit dem alles gesagt ist. Ganz ähnlich verhält es sich auch mit Emotionen. Auch sie kann man auf einen Satz reduzieren. Für Logik wie Emotionen gilt gleichermaßen das fraktale Prinzip der Selbstähnlichkeit.

Was mir wie ein großer, dicht belaubter Baum erscheint, ist nichts anderes als ein einziges Fraktal, das dem Prinzip der Selbstähnlichkeit folgt. Selbstähnlichkeit beschreibt die Eigenschaft von Gegenständen, Körpern, Mengen oder geometrischen Objekten, in verschiedenen Größenmaßstäben stets wiederkehrende Strukturen aufzuweisen, auch Fraktale genannt.

Wie bei Bäumen gilt es also auch bei Logik wie Emotionalität das grundlegende Muster zu erkennen und sich nicht von der schieren Menge überwältigen zu lassen. Noch ein Hinweis für die, die gerne logisch denken: Es ist eine logische Herausforderung, emotionale Muster zu erkennen!

Da ist es besonders wichtig, sich an die Prinzipien der Logik halten, denn eine logische Schlussfolgerung lässt sich alleine durch Fakten aufbauen.