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Wie ich die Welt sehe 2

Erst muss ich genau wissen, was bei meinen Eltern war, was ich also über Epigenetik und Erziehung von ihnen angenommen und gelernt habe. Sonst laufe ich Gefahr, auf meine eigenen Spekulationen hereinzufallen.

Dann kann ich anfangen, anders zu leben, wenn das Bedürfnis und vielleicht auch die Notwendigkeit dafür da sind. Dann aber wirklich anders, nicht nur ein ein bisschen anderes Couleur.

Das jedenfalls dachte ich immer. Nur bin ich mir nicht mehr sicher, ob das überhaupt zutrifft. Eigentlich bin ich mir sicher, dass es nicht zutrifft. Es kommt ja nicht darauf an, weshalb ich etwas tue, sondern was ich konkret tue.

Der, wenn Sie so wollen, Erfolg oder die Wirkung meines Tuns ist ausschlaggebend und nicht, weshalb ich es tue. Maßgeblich ist daher, dass ich mir meiner Gefühle, Gedanken, Empfindungen und Verhaltensweisen implizit bewusst bin.

„Implizit“ heißt, dass ich nicht darüber nachdenke es aber ganz genau weiß. Es ist vergleichbar mit der Propriozeption auf der körperlichen Ebene. Dann gibt es im Grunde keine automatisierten und unbewussten Verhaltensmuster mehr, was jedoch nicht bedeutet, dass ich ständig darüber nachdenken müsste.

Bin ich mir vollkommen bewusst, was ich tue, bewege ich mich im Flow. Perfekt. Zwei Dinge brauche ich dazu, einmal das erforderliche Wissen über menschliche Verhaltensstrukturen, die ich auch verinnerlicht haben muss, damit ich sie anwenden kann. Weiter brauche ich unbedingt kontinuierliche Bewusstheit, vor allem für das, was in meinem Denken und meinen Empfindungen vor sich geht.

Der entscheidende Punkt war und ist für mich, dass ich begriffen habe, dass ich mein Weltbild nicht nur von klein auf selbst konstruiert habe, sondern dass ich das auch immer weiter tue, so lange ich lebe. Permanent.

Ich brauche mir nur der verwendeten Frames bewusst zu werden, um klar zu bekommen, wie mein Weltbild organisiert ist. Was früher unbewusst geschah, will ich jetzt bewusst tun – mich organisieren.

„Richtig“ zu denken scheint erst einmal anstrengend zu sein, ist es aber nicht. „Anstrengend“ ist nur die Selbstüberwindung, die es braucht, wenn ich wieder einmal aus alten Muster herausfinden muss.