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Wie funktioniert eigentlich Wahrnehmung?

Eine sinnlose Frage, könnte man meinen. Schließlich nehme ich permanent wahr, vielleicht sogar, wenn ich schlafe. Aber ist es wirklich so einfach? Ich sehe zum Beispiel gerade vor allem die Tastatur, meine Hände und den Bildschirm meines Laptop.

Seit ich mir jedoch das erste Mal Gedanken darüber gemacht habe, was ich überhaupt sehe, wenn ich etwas sehe, komme ich dabei immer wieder ins Schleudern. Denn ich kann ja meinen Laptop nicht direkt sehen, nur das Bild, das ich mir in meinem Gehirn von ihm mache. Und dann verlässt das Bild wieder mein Gehirn und erscheint dort, wo ich denke, dass mein Laptop wäre. Nur wie passiert das? Mein Gehirn verlässt es ja nicht. Und was sehe ich überhaupt, wenn ich meine Hände sehe? Ist das dann auch nur ein Bild, oder ist das wie bei meinem Laptop nur die Projektion eines Bildes aus meinem Kopf an einen angenommenen Ort?

Sieht mein Laptop überhaupt so aus, wie ich ihn sehe? Oder meine ich ihn nur zu sehen? Farbig ist er ja nicht, die gibt es ja nicht in echt, Farben entstehen nur durch eine entsprechende Interpretation der unterschiedlichen Frequenzen. Und die auch nur aus einem bestimmten Frequenzbereich. Das wissen wir ganz selbstverständlich, doch denken wir auch einmal darüber nach, was das überhaupt bedeutet? Es beginnt schon damit, dass sich die Welt mir nicht zeigt, sondern nur ich kann sie wahrnehmen. Schon Einstein hat darüber nachgedacht, als er sich fragte, ob der Mond auch noch da wäre, wenn niemand hinschaut.

Wie auch immer, was ich sehe, existiert so nicht, weder mein Laptop noch ich selbst. Erinnert mich an einen Film, den ich kürzlich sah, ein Wesen, das sich optisch nicht von seiner Umgebung unterschied. Nur dass in meinem Fall ich selbst dieses Bild erzeuge. Lebe ich also tatsächlich in einer vollkommen farblosen Welt? Und wenn ich dem Ganzen Farbe gebe, ist es dann vielleicht auch noch tatsächlich formlos und ich denke mir nur die Form? Aber wie kam dieses Denken in meinen Kopf? Wann habe ich das gelernt? Oder habe ich das nie lernen müssen?

Da verwundert es nicht, dass viele Menschen einfach glauben, was sie zu sehen glauben – und nicht was sie denken. Jedoch zweimal glauben ist zu viel des Guten, es hat dann nichts mehr mit der eigentlichen Wirklichkeit zu tun. Damit stellt sich mir die Frage, was überhaupt wirklich ist. Es ist schon faszinierend, was ich da mache, auch wenn ich keine Ahnung davon habe, was ich da überhaupt mache. Auf jeden Fall zeigt mir das Thema Wahrnehmung, dass die Dinge, die für mich bisher ganz selbstverständlich waren, es tatsächlich nicht sind. Es macht also einen gewaltigen, ja einen fundamentalen Unterschied, ob ich das Instrument meiner Wahrnehmung in meinen Sinnesorganen erlebe oder ob ich es in meinem Denken annehme.

„Sehe“ ich die Welt nicht mehr, sondern „denke“ ich sie, ist es eine ganz andere Welt, auch wenn sie scheinbar die Gleiche ist. Ist sie aber nicht.

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