Wider die Routine

Der Feind in mir selbst. In der Regel stand ich jeden Morgen auf, bewegte mich auf gleiche Art und Weise zu meinem Kaffee, in die Dusche, trockne mich auf gleiche Art und Weise ab und ging zur Arbeit, wo ich die gleichen Menschen traf und die gleichen Dinge tat, die ich sonst auch machte. Als ich dann endlich in Rente war, wurde das nicht anders, nur andere Muster.

Normalerweise hatte ich auch Routinen, wie ich den anderen begegnete und worüber ich mit ihnen redete. Und auch mich selbst glaubte ich in- und auswendig zu kennen. Und genau da wollte ich raus.

Das bedeutete zum einen Sicherheit, ich kannte mich aus, zum anderen war ich darin erstarrt. Um Sicherheit zu haben, machte ich ein komplexes System zu einem linearen, mechanischen System. Und genau so verlor ich letztlich meine mentale Beweglichkeit und tauschte sie gegen Sicherheit ein, nur leider eine falsche. Ich lief sozusagen auf mentalen Krücken.

Meinem emotionalen Erleben ging es nicht anders, meine Gefühle wurden routiniert. Ich empfand nicht mehr, was ich wirklich empfand, sondern was ich dachte, dass es von mir erwartet würde. Vor allem in negativer Hinsicht, meine Empathie für andere ging mir dabei fast komplett verloren.

Alles, was ich in Routinen erleben, erlebe ich nicht mehr bewusst. Aber diese Routinen sind veränderbar. Einer der wichtigsten Aspekte der Achtsamkeit ist, die Routine der Selbstwahrnehmung zu verändern. Bewusste, ganzheitliche Selbstwahrnehmung steht im Zentrum der Achtsamkeit.

Ich identifiziere mich auch im Alltag nicht mehr mit dem, was ich denke, sondern mit dem, was ich tue. Nicht immer, aber immer öfter. Ich praktiziere Achtsamkeit. Die Achtsamkeit ersetzt die Identifikation mit den Gedanken durch die Identifikation mit dem Bewusstsein.

Mich über mein Bewusstsein wahrzunehmen heißt, eine Wahrnehmung einzuüben, in der ich meinen Körper, meine Gefühle und meine Gedanken bewusst wahrnehme und auch aus diesem Bewusstsein heraus handle.