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Werte haben keine Moral

Nein, die haben sie nicht. Daher muss man ihnen eine zur Seite stellen. Eugen Herrigel ist einer der bekanntesten Autoren für Zen und Bogenschießen, so wie auch Karlfried Graf Dürckheim, einem der „Väter“ des europäischen Zen. Auf der Website eines Zen-Zentrums etwa ist zu lesen, dass es dies ohne Graf Dürckheim in dieser Form heute nicht gäbe.

Auch in meinem Bücherschrank standen Bücher von den beiden. Doch beiden Autoren wird ernsthaft eine Nähe zum Nationalsozialismus nachgesagt, was eigentlich nicht verwundert, denn viele „Größen“ des NS-Regimes waren von Zen fasziniert. Sie sind also mit äußerster Vorsicht zu genießen.

Ich reagiere da vielleicht besonders sensibel oder auch empfindlich darauf, denn ich frage mich immer, was ich von meinem Vater an Werten übernommen habe, die im Nationalsozialismus grausame Folgen hatte.

Die Frage ist für mich immer, ob meine Werte, die ja nicht per se „gut“ sind, wirklich in Harmonie mit allem sind. Was mich in meinem Beruf als Anwalt ordentlich an meine Grenzen brachte, denn da durfte ich gerade nicht das Ganze, sondern ausdrücklich nur die partikulären Interessen meiner Mandanten im Blick haben.

Albrecht Mahr hat es treffend formuliert: „Die Kraft, derer sich der Nationalsozialismus bemächtigt hat – oder besser: das versucht hat – ist vergleichbar mit der Atomkraft, die unvorstellbar destruktiv sein kann – und sehr nützlich. Im Nationalsozialismus waren die Bereitschaft des Dienens, des Verzichts auf persönliche Vorteile, die große Entschlossenheit etc. aufgerufen – alles gute Dinge – und sie waren in den Dienst einer vernichtenden rassischen Ideologie gestellt, die von Abermillionen mitgetragen wurde.

Die destruktive Ideologie und die von ihr missbrauchten Kräfte sind aber nicht das Gleiche, und wir sind da zur Klarheit der Unterscheidung aufgefordert.

Die Moral in diesen Gedanken ist, dass es keine „richtigen“ Werte gibt, sie können, etwa wie die Bereitschaft des Dienens, sowohl positiv als auch negativ sein. Immer kommt es auf die damit einhergehende Moral an. Und die ergibt sich zwingend aus der Ideologie der ich folge.

Das heißt, wir müssen uns der mächtigen Kräfte in uns, zum Beispiel unbedingter Entschlossenheit und der Willenskraft, für die Wahrheit einzutreten, bewusstwerden und lernen, sie für die Ziele einzusetzen, die allen Menschen dienen und niemanden ausschließen.

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