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Wer oder was bin ich eigentlich? 

Es ist wie mit dem Strand und dem Sandkorn. Oder dem Menschen und der Menschheit. ‚Irgendwie‘ macht das Sandkorn den Strand aus, so wie der Einzelne auch die Menschheit ausmacht. Gäbe es keine Sandkörner, gäbe es auch keinen Strand.

Nur, angenommen das einzelne Sandkorn könnte denken, dass es ein gewaltiges Problem gibt, wenn sich das einzelne als Individuum begreift und sich plötzlich von einer riesigen Menge anderer Individualisten umgeben sieht, so dass es sich genauso plötzlich entweder ohnmächtig fühlt oder der Chef sein will.

Macht in diesem Sinne scheint es nur zu haben, wenn es sich mit den anderen Sandkörnern verbündet und alle im Chor singen, denken und auch dementsprechend handeln; ‚Wir sind Strand!‘ Oder man ist irgendwie der Chef und andere hören auf einen.

Das Dumme ist nur, dass das bei den Menschen nicht ganz so ideal und friedlich läuft wie bei den Sandkörnern. Die verbünden sich einfach mit allen anderen Sandkörnern zum Strand. Bei den Menschen verbünden sich jedoch nur die miteinander, die schon in unmittelbarer Nähe sind. Emotional versteht sich.

Die, die emotional weiter weg sind, werden im besten Fall ignoriert, oft aber ausgegrenzt oder sogar angefeindet und oft auch bekämpft. Die Menschen verbünden sich nicht miteinander, weil sie die Menschheit sind, sondern weil sie ihre Ohnmacht nicht mehr spüren wollen. Aber eben nicht mit allen anderen, sondern nur mit einem kleineren Teil davon.

Dann ist man nicht mehr als Einzelner ‚anders‘, sondern als Gruppe. Hauptsache anders. Das Dumme ist nur, dass es so mit der Menschheit nichts wird, weil sie sich ja untereinander bekämpft. Das ist der Denkfehler, der in unseren Köpfen sitzt. Wir kennen das übrigens von uns selbst. Ich bin ja nichts anderes als ein riesiger Haufen verschiedenster Zellen. Jede macht ihr Ding, aber immer im Interesse des Ganzen. Also in meinem.

Doch wenn sich ein Zellverband in meinem Gehirn nicht mehr daran hält, wenn er beispielsweise etwas zum Feind erklärt, was ganz friedlich ist und nichts Böses im Sinn hat, dann habe ich prompt eine Allergie. Da sind jedoch nicht die Pollen dran schuld, das bin ich sozusagen selbst, also diese falsche Denke.

Die Pollen sind nur der Auslöser, die sich wundern, warum wir dann so komisch auf sie reagieren, wo sie uns doch gar nichts tun wollen. Im Gegenteil, sie wollen nur das Lebendige am Leben bleibt.

Man kann bei dem Beispiel sehr schön sehen, wie sich das auswirkt. Da spukt zwar nur eine falsche Ansicht in meinem Gehirn herum, doch darunter leiden muss dann der ganze Kerl.

Das Üble ist, dass diese falsche Ansicht überhaupt nichts mit Pollen zu tun hat, weshalb es meist auch so schwierig ist, den wahren Grund zu erkennen. Was genau der Grund ist, weshalb wir sehr oft  nur die Symptome und eben nicht die wirklichen Ursachen betrachten.

Wahrscheinlich geht es immer nur darum, dass etwas auf eine Art und Weise behandelt wird, wie es aber nicht behandelt gehört. Und die darauf aufbauende Reaktion, etwa das Ausgrenzen, bringt dann das Ganze zum Wackeln, manchmal auch zum Einstürzen.

Carl Gustav Jung hat für mein Empfinden die Lösung in einem Satz ausgedrückt: ‚Die entscheidende Frage für den Menschen ist: Bist du auf Unendliches bezogen oder nicht? Das ist das Kriterium des Lebens.‘ Albert Einstein hat es praktischer formuliert:

Die Welt, wie wir sie schufen, ist ein Produkt unseres Denkens. Wir können sie nicht ändern, ohne unser Denken zu verändern.‘ Und wer es nicht so pragmatisch mag, der orientiere sich an dieser Aussage von Jiddu Krishnamurti:

‘Es ist kein Zeichen von geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine zutiefst kranke Gesellschaft zu sein.‘ Wie ‚das‘ gehen kann, das könnten wir schon lange wissen. Doch um diese Gedanken wirklich zu leben, kostet es manchmal Selbstüberwindung. Dazu noch ein paar Gedanken:

Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut. Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.‘ (Yoda)

Alles Lebendige ist ein Werden, nicht ein Sein.‘ (Herrmann Hesse)

Die höchste Form menschlicher Intelligenz ist die Fähigkeit zu beobachten ohne zu bewerten.‘ (Jiddu Krishnamurti)

Der Moment, in dem du deine Wahrnehmung änderst, ist der Moment, an dem du die Chemie deines Körpers neu schreibst.‘ (Bruce Lipton)

Jeder kehre vor seiner eigenen Tür und die Welt ist sauber.‘ (Johann Wolfgang Goethe)

‚Ich glaube, dass die Erkenntnis der Wahrheit nicht in erster Linie eine Sache der Intelligenz, sondern des Charakters ist. Dabei ist das Wichtigste, dass man den Mut hat, nein zu sagen und den Befehlen der Machthaber und der öffentlichen Meinung den Gehorsam zu verweigern; dass man nicht länger schläft, sondern menschlich wird; dass man aufwacht und das Gefühl der Hilflosigkeit und Sinnlosigkeit verliert.‘ (Erich Fromm)

Das letzte Zitat bringt mich zurück zu dem Strand und den Sandkörnern.

Ich brauche nur aufzuhören, mich in das Gefühl der Hilflosigkeit und Sinnlosigkeit zu verlieren, mich auf das Unendliche zu beziehen und zu beobachten, ohne zu beurteilen.

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