Wen ich zu erreichen suche

Na, Sie! Entweder Sie stimmen mir zu und tragen diese Gedanken weiter in die Welt. Oder sie stimmen mir nicht zu und geben mir so die Möglichkeit, mich selbst zu hinterfragen und vielleicht noch eine Ebene tiefer kommen zu können. Leider können Sie das nicht einfach kommentieren, Sie müssten mir dann schon eine Email schicken.

Mir wurde kürzlich die Frage gestellt, wer denn mein Leserpublikum sei. Der Meinung des Fragenden nach lege ich die Latte so hoch, dass ich nur die erreichen könne, die ich nicht mehr zu erreichen bräuchte. Kann sein. Oder auch nicht. Ehrlich, ich weiß es nicht.

Jedenfalls eine gute Gelegenheit, mir einmal Gedanken darüber zu machen und auch deutlich zu sagen, was ich erreichen will. Und das ist ganz klar: Raus aus dem gewohnten Denken, aber wirklich radikal raus! Ich will das an einem Beispiel deutlich machen:

Ich meine nicht, sich ein völlig anderes Auto zu kaufen, etwa als Opa keinen bequemen Van mehr, sondern einen alten Triumph Spider, in den man nur noch mit Hilfe reinkommt, nein, das meine ich nicht. Sondern als Opa Motorradfahren zu lernen, was man bisher noch nie gemacht hat. Also etwas, wo sich die meisten innerlich mit dem Zeigefinger an die Stirn tippen und insgeheim ein bisschen neidisch sind, dass sie das nicht auch machen.

Darum geht es mir. Wer nicht ganz taub ist, der hat es ja schon gehört, dass unser Bild von der Wirklichkeit komplett anders aufgestellt gehört. Wirklich komplett. Und das sagen keine Esoteriker, sondern Leute wie Einstein, Pauli, Heisenberg, Schrödinger, Bohm, Bor und wie sie alle heißen. Quantenphysiker eben.

Ihre Erkenntnisse werden zwar fleißig umgesetzt und sind tagtäglich in Gebrauch, doch was das für unser Bild der Wirklichkeit bedeutet – das will kaum einer wirklich wissen. Also wird fleißig weiter fragmentiert, koste es was es wolle – und wenn es am Ende die eigene Existenz ist.

Es mag vermessen klingen, aber ich komme mir manchmal vor, wie Tariq Zaidi es für den Deutschlandfunk einmal eingedrückt hat: „Wir leben im Slum, aber wir haben Stil.“ Und genau so fühle ich mich auch. Ich lebe zwar in keinem Slum, ganz im Gegenteil, nur protestiere auch ich gegen die gedankliche Willkür, die einen gedanklichen Slum hervorruft.

Meine Texte sind meine Art, gegen das herrschende System in den Köpfen vieler Menschen Widerstand zu leisten. Ja, so sehe ich das. Wir leben gedanklich in den Slums. Und ich will ein Gedanken-Sapeur sein. Wer die Welt verstehen will, muss die Weltsicht der Mehrheit verlassen; derjenige muss anderes zu denken lernen. Das suche in meinen Texten auszudrücken.