Weltbilder

Was, wenn meine Vorstellung von der Wirklichkeit unzutreffend ist? Was passiert dann? Eine extrem spannende Frage, denn wenn ich die Wissenschaftler recht verstehe, gestalte ich ja mit meiner Vorstellung die Wirklichkeit, die ich erlebe. Muss ich mir auf der Zunge zergehen lassen: Ich gestalte meine Wirklichkeit selbst.

Wenn ich mit meinem Enkel Paul spiele, bewegen wir uns mit Hilfe von Büchern, Stofftieren oder Legosteinen in einer ganz eigenen Welt, einer Welt, die zumindest für ihn Wirklichkeit ist. Und auch für mich, wenn ich wirklich mitspiele und nicht nur so tue „als ob“. Was sich leicht an seinen Reaktionen auf Geschichten feststellen lässt, da reagiert er sehr emotional. Was die Erwachsenen, mich nicht ausgenommen, dann schnell dazu verleitet, ihm ihr Verständnis von der Welt und vor allem von gut und böse unterzujubeln.

Vielleicht mag ich deshalb lieber mit ihm Lego spielen als Bücher über Hexen zu lesen, denn da bewegt sich die Phantasie  auf pädagogisch neutralem, wenn auch nach Ansicht vieler Erwachsenen unproduktivem Fantasygebiet. Was für ein Blödsinn! Das ist alles andere als unproduktiv! Ganz im Gegenteil! Paul spielt nicht nur mit Legos, er gestaltet seine Wirklichkeit, die er auch unmittelbar erlebt. Ein guter Grund einmal genauer zu schauen, wie Spiele so aussehen. Die wichtige Frage aber ist und bleibt: Nur mit was spielen wir Erwachsenen? Denn es ist ein Unfug, „spielen“ für etwas anderes als zum Beispiel „Anwalt sein“ zu halten – oder was immer man arbeitet oder wie man sich sonst die Zeit vertreibt.

Diese Gedanken kamen mir heute, als in einem Post die Frage nach der Systemkonformität aufgeworfen wurde. Denn darum geht es überhaupt nicht, sondern um die erlebte Wirklichkeit der verschiedenen Gruppen. Sie selbst haben ihre Wirklichkeit durch ihr Weltverständnis ihrer eigenen Vorstellung entsprechend definiert und damit erzeugen sie sie immer wieder, die dann – für sie – auch genau so ist. Es ist ja nicht so, dass ein System eine für alle Mitglieder klar festgelegte Wirklichkeit hätte.

Es geht also nicht um Systeme, sondern um Wirklichkeitskonstrukte. Mehr „Matrix“ anschauen! Oder doch eher „Krieg der Sterne“? Man darf nicht vergessen, dass die Ch’an-Menschen schon lange behaupten, dass das Leben ein Spiel sei, was jetzt nicht bedeutet, dass das immer lustig wäre. Wie Spiele eben so sind – mal gewinnt der eine, mal der andere. Aber es soll ja auch Spiele geben, bei denen es nicht um das Gewinnen geht, sondern das gemeinsame Vorwärtskommen. Etwa eine Bergtour machen oder eine Tour mit dem Moped. Auch das sind letztlich Spiele!

Viele Menschen denken ja, sie würden sich einer fixen Wirklichkeit bewegen, auf die sie keinen Einfluss haben. Das aber ist so nicht. Natürlich sind die Dinge um mich herum was sie sind, oder wenn es kalt ist helfen mir auch warme Gedanken nicht. Nur meine erlebte Wirklichkeit setzt sich vor allem aus meinem Erleben zusammen – und das gestalte ich und niemand sonst. Das ist nicht nur so, wenn ich mich frage, ob eine Bild schön ist oder nicht. Oder ob ich etwas hässlich finde, was ein anderer toll findet, sondern das ist bei wirklich jedem meiner Gedanken so. Ich begegne der Welt ja durch mein Erleben und meine Gedanken – und damit schaffe ich meine Wirklichkeit, so wie jeder andere auch!

Eine Systemkonformität – das war ja der Ausgangsgedanke – gibt es also gar nicht. Die Regeln eines Systems sehen keine Konformität vor. Sondern eher die permanente Auseinandersetzung zwischen dem individuellen Erleben und dem kollektiven Miteinander. Durch oder in exakt dieser „Auseinandersetzung“ findet nämlich das Spiel statt, es ist das Spiel zwischen Individuum und Individuum sowie zwischen einer Gruppe und einer anderen Gruppe wie auch dem kompletten Kollektiv.