Weltbilder und Sprache

Schon einmal versucht, ohne Sprache über etwas nachzudenken? Schwierig, nicht wahr? Seit geraumer Zeit beschäftigen sich Sprachwissenschaftler mit dem faszinierenden Zusammenhang zwischen Sprache und Denken.

Sprache markiert sozusagen die Referenzpunkte, wenn wir denken. So fällt es mir leicht meiner Frau zu sagen, dass der Schlüssel in der rechten Schublade ist, wohingegen ich erst einmal überlegen muss, wo Norden oder Süden ist.

Das hängt damit zusammen, dass unser Sprachsystem unmittelbar regelrecht bedingt, wie wir uns orientieren. Wir Westeuropäer orientieren uns nun einmal gerne an den Dingen oder uns selbst.

Ganz anderes Aborigines, die teilen die Welt nach Himmelsrichtungen ein. Ist für sie effektiver, setzt aber auch voraus, dass man weiß, wo man sich befindet, will man einem Smalltalk-Gespräch folgen können, etwa wenn der andere auf die Frage, wo er denn hingehe antwortet „Ein kurzes Stück nach Nordnordwesten!

Und Menschen in anderen Kulturkreisen sind nicht unpünktlicher als wir Westeuropäer, sie sehen nur die Zukunft nicht da, wo wir sie sehen.

Über dieses Thema bin ich kürzlich gestolpert, als mir bewusst wurde, wie schwierig es es sich mit jemandem zu unterhalten, der einem mechanistisch-linearen Weltbild folgt – und eben keinem komplex-prozesshaften.

Ganz andere sprachliche Orientierung! Vielleicht hat ja der liebe Nachbar, der einem gerade was Unverständliches erzählt hat einfach nur ein zu meinem Weltbild einfach nicht die kompatible Entsprechung?

Lohnt sich, einmal darüber nachzudenken! Interessant ist ja auch, dass ich zum Beispiel ’sprachlos‘ und ganz ohne Worte Motorrad fahren kann – mit das Beste, was mir passieren kann. Warum eigentlich nicht immer?