Weltbilder

Weltbilder zeigen sich in unseren Ansichten. Wir nehmen uns immer wieder die Freiheit heraus, andere Menschen zu beurteilen, sie zu belehren oder sogar über sie zu lästern. Also ich habe es früher sehr oft getan und tue es leider noch viel zu oft.

Dabei übersehen wir, dass auch unsere eigenen Reaktionen manchmal ziemlich neurotisch und für andere unverständlich sind.

So könnte man denken, doch das ist noch keine Antwort auf die Frage, weshalb wir so etwas tun. Die wäre vielleicht „Es ist eine Frage der immanenten Weltbilder.

Weltbilder sind ähnlich wie fremde Sprachen. Wenn wir beim Italiener sitzen und eine Pizza essen, fällt mir das auf, denn der Wirt und seine Bedienung tauchen immer wieder in eine für mich ganz andere Welt ab, sie sprechen dann italienisch und ich verstehe kein Wort mehr.

So ist es auch, wenn wir mit einem uns nicht geläufigem Weltbild konfrontiert werden. Viele, wenn nicht die meisten Menschen denken in den Strukturen unserer Sprache, benutzen diese Ordnung für das eigene Denken. Eine Struktur, die übrigens ziemlich eins zu eins der klassischen Physik Isaac Newtons entspricht.

Das Faszinierende ist, dass wir gelernt (!) haben, die Welt so wahrzunehmen. Früher dachte ich immer, dass unsere Wahrnehmung unzureichend ist, um eine Welt außerhalb der Welt der Sprache – und der klassischen Physik wahrzunehmen, aber das stimmt nicht. Wir können sehr wohl lernen, die Welt auf eine andere Art und Weise wahrzunehmen.

Es muss uns bewusst sein, dass wir „nur“ eine andere Sprache der Wahrnehmung lernen, also unsere Denkstruktur ändern. Es geht darum, wie man anders zu denken lernen kann, sich dabei aber weiterhin in dem Raum der Sprache bewegt. Niels Bohr hat diese Frage wie ich finde sehr gut beantwortet. Er sagte, es sei wie Geschirrspülen. Mit nicht mehr sauberem Spülwasser und einem angeschmutzten Spüllappen könne man gleichwohl dreckiges Geschirr wieder sauber zu bekommen.

Exakt das, was wir auch mit unseren Denkstrukturen tun sollten, sie von den alten Gebrauchsspuren befreien.