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Weiß ich oder glaube ich nur?

Früher dachte ich oft, ich wüsste etwas, anderes meinte ich nur zu glauben. Doch wo ist der Unterschied?

Meinem Gehirn ist es vollkommen egal, ob es sich um Wissen oder Glauben handelt, denn es ist absolut basisdemokratisch, behandelt beides gleich und macht absolut keinen Unterschied dazwischen.

In einem Text über Placebos wird über die Feststellung berichtet, dass Placebos biochemische Prozesse im Körper auslösen – natürlich nur, wenn sie wirken, also wenn man an sie glaubt. Ich mache mir schon seit geraumer Zeit darüber Gedanken, ob das bei Medikamenten nicht auch so funktioniert; sie also nur deshalb eine Wirkung haben, weil man davon ausgeht, dass sie wirken?

Was natürlich bedeuten würde, dass etwas nur deswegen schädlich ist, weil ich es für schädlich halte. Trotzdem würde ich mich keiner radioaktiven Strahlung aussetzen. Aber diese Untersuchungen über Placebos zeigen ganz klar, dass wir noch sehr vieles nicht verstanden haben. Vor allem gehen wir nach wie vor von einem ‚Ich‘ aus, das etwas glaubt oder eben nicht.

Ich vermute, dass genau da der Fehler liegt. Aber ich weiß es nicht. Wie gesagt, etwas zu wissen oder ‚nur‘ zu glauben ist scheinbar austauschbar. Es macht Sinn, sich mehr damit zu beschäftigen und nicht einfach nur zu glauben oder zu wissen meinen.

Auch wenn ich etwas verifiziert habe, also eine Erfahrung gemacht habe, weiß ich ja nicht, ob es auch so ist, wie ich glaube, dass es das wäre. Ich kann ganz klar sagen, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass Steine nach unten fallen und Wände undurchdringlich sind. Doch letztlich stimmen tut es nicht. Das mit den Wänden ist nur ein energetisches Phänomen und die Erdanziehung gibt es nicht wirklich, sondern der Raum ist geformt.

Und exakt da fängt es zu knirschen an, denn das kann ich mir nicht mehr vorstellen – nur mathematisch ausdrücken, vorausgesetzt natürlich, ich beherrsche die Mathematik. Doch interessanterweise kann ich es erfahren, aber eben nicht verstehen, es also nicht interpretieren. Ich habe keine Probleme damit, wenn ich es nicht zu verstehen suche.

Das bedeutet, ich gehe zur Seite, wenn mir ein Auto zentral entgegenkommt. Da gibt es dann weder ein ‚richtig‘ noch ein ‚falsch‘. Nur ich tue das Richtige! Bevor ich es mit ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ bewerte, tue ich einfach, was ich tue, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden.

Exakt das versuchen uns seit geraumer Zeit manche Buddhisten und Ch’an-Leute beizubringen: Denk nicht, sondern mach! Aber natürlich nicht einfach so, sondern mit einer klaren ethischen Haltung. Die ist nämlich das, worum es in unserem Leben geht! Es geht immer nur im die innere Haltung und eben nicht um irgendeine spezifische Praxis. Krishnamurti zeigt das, wie ich finde, sehr klar an dem Beispiel Yoga.

Was ich daraus gelernt habe ist, dass ich mir ein Herz nehmen und öfters mal in den Raum der Leere eintauchen sollte. Paradoxerweise geht das aber nur mit Konzentration und Aufmerksamkeit, also nicht einfach nur mal die Füße hochlegen und (scheinbar) nichts denken! Das schaltet nur das Default  Mode Network (DMN) ein, was wir wiederum über eine meditative Haltung beeinflussen können.

Will ich also nicht in Narrative und Gedankenwolken abdriften, brauche ich nicht mehr tun, als den Achtsamkeit-Modus einzuschalten. Daher wird der Zustand, in dem das DMN aktiv ist, auch Mindwandering genannt, das Gegenteil von Achtsamkeit.

Es geht also weder um Wissen noch um Glauben, sondern einzig um Bewusstheit, die wiederum ohne Achtsamkeit nicht möglich ist.

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