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Was zu tun wäre …

Einfach einmal zu sehen, was wirklich ist. Aber nicht an der Oberfläche, nicht die üblichen Konzepte und Konstrukte, sondern grundsätzlich. Vielleicht würde das schon mehr ändern, als wir denken. Wenn es noch ein paar mehr geben sollte, die so denken wie ich, dann wäre das doch wirklich ein Grund, eine entsprechende Gemeinschaft zu bilden. Mal sehen, ob jemand daran Interesse haben könnte. Aber der Reihe noch.

Heute früh las ich in einem Post von Wilhelm Klingholz dieses Zitat von Karl Renz: Ich habe an dem, was du Leben nennst, kein Interesse. Den Gedanken hatte ich gestern auch. Ich war nämlich in einem Film, eine Menge Schauspieler – und ich mitten drin. Ein sehr, sehr realer Film, nämlich eine Beerdigung. Vor allem der anschließende Leichenschmaus war – aus meiner Perspektive – die brillante Inszenierung dessen, was Scott Peck auf der Seite Gemeinschaftsbildung (die, ich gebe es zu, besser gestaltet sein könnte) Pseudogemeinschaft nennt, ein Stadium der Vortäuschung und des Scheins. Die Gruppe tut so, als sei sie bereits eine Gemeinschaft, als gäbe es unter den Gruppenmitgliedern nur oberflächliche, individuelle Differenzen und kein Grund für Konflikte. Doch wenn man einmal genau hinschaut, dann sieht man überall die Masken, hinter denen sich die wahren Gesichter verbergen.

Es ist eine interessante Frage, warum Menschen das tun, warum sie sich derart verstellen, weshalb sie eine solche Show abziehen. Und es vielleicht nicht einmal merken. Aber dieses „Warum“ interessiert mich ehrlich gesagt nicht, denn das zu wissen ändert ja nichts daran, dass es so ist. Dieser Frage nachzugehen führt allenfalls zu jeder Menge Rechtfertigungen, aber nicht zu der Lösung, die man eigentlich wollen sollte. Also ich. Das einzig Gute an Rechtfertigungen ist ja, dass man letztlich so bleiben kann, wie man ist und nichts wirklich ändern muss. Und genau das ist, was ich überwinden will, dieses teuflische Beharrungsvermögen, die Angst, was passiert, wenn ich es anders mache, mich anders verhalte.

Der nächste Gedanke, der mir kam, war die Überlegung, wie eine Vision aussehen könnte, die die Menschen und vor allem auch mich selbst motivieren könnte, eine Vision, anders zu leben, stimmig, im Einklang mit der Welt und dem Kosmos. Das Dumme ich nur, dass ich, wenn ich ehrlich bin, weder die Welt noch den Kosmos wirklich kenne. Nicht einmal die Natur kenne ich, nicht einmal ansatzweise. Ich weiß zwar, dass im Yellowstone National-Park die Wölfe das mit der Vielseitigkeit der Natur wesentlich besser hinbekommen haben als wir Menschen, doch deswegen weiß ich nicht, was ich tun kann oder muss. Eigentlich weiß ich nur, dass ich vor allem eins tun muss: Die Füße still halten, mich nicht (mehr) einzumischen in das Geschehen der Welt. Die Welt ist nämlich, das ist meine feste Überzeugung, wesentlich klüger als wir Menschen. Wir bräuchten uns einfach nur zu fügen, einfügen. Dabei wäre das eigentlich Vision genug. Ich bräuchte mich einfach nur in der Welt umschauen – und die ist absolut faszinierend, wirklich gigantisch und besser als jeder Sciencefiction.

Wenn ich oder auch wir doch endlich einmal hinter die Oberfläche schauen könnten – was für eine phantastische Welt würden wir da auf einmal erleben! Die erleben wir zwar auch schon, aber leider kommen wir durch unser eigenes Handeln dem natürlichen Lauf der Dinge immer wieder in die Quere. Vor allem sehen wir sie nicht wirklich, nicht einmal an der Oberfläche, sondern wir sehen sie so, wie wir glauben, wie sie so wäre. Doch den Gefallen tut sie uns nicht. Sie ist nämlich ganz anders. Doch das können wir leider überhaupt nicht erklären. Wer hat nicht schon einmal etwas von dem berühmten Doppelspaltversuch gehört. Was da passiert, kann wohl so ziemlich jeder beschreiben. Doch fragt man einmal nach, warum das so ist und was das für einen Sinn macht, wird man allenfalls ein Schulterzucken als Antwort bekommen. Denn ich kenne niemanden, der das erklären könnte. Wobei, es gibt ja noch viel heftigere Sachen, etwa dass sich Verläufe nicht klar definieren lassen. Unschärferelation hat das Heisenberg genannt. Steht genau beschrieben in Wikipedia; doch leider steht da nicht, was das für einen Sinn macht.

Doch wie will ich mir Gedanken über den Sinn meines Lebens machen können, wenn ich nicht einmal den Sinn ganz einfacher (!) Naturbeschreibungen erkennen kann? Da merkt man leicht, dass die Frage nach dem persönlichen Lebenssinn wahrscheinlich nichts anderes als die Flucht vor der großen Leere ist, wenn man nämlich nicht weiß, warum die Dinge sind, wie sie eben sind. Für mich jedenfalls ist die Welt und der Kosmos ein immer größer werdendes Fragezeichen. Doch um da hinzukommen musste ich erst einmal bereit sein, meine Konstrukte über die Welt zu lassen, die ich sowas für wahr hielt, was sie jedoch dummerweise nicht waren. Nicht einmal ansatzweise. Es gibt zwei Konzepte über die Welt, die unser Denken sehr, sehr grundsätzlich geprägt haben. Da ist zum einen die Evolutionstheorie von Darwin, die Basis unser übliches Verständnis vom Zusammenleben und die Grundlage wohl vieler psychologischer Modelle. Nur hat dieses Konzept leider einen gewaltigen Schönheitsfehler, es stimmt nämlich nicht. Bedauerlicherweise hat man das Prinzip der Koevolution wie der Selbstorganisation schlicht und einfach übersehen. Und übersieht es immer noch, scheinbar mit Fleiß, damit man nicht allzu sehr ins Grübeln kommt.

Nicht anders ist es mit der Physik Isaac Newtons, dessen Konzept von dem Zusammenspiel der einzelnen Elemente im Kosmos sogar Einzug in unsere Sprache gefunden hat. Was nicht so tragisch wäre, wenn diesem Konzept auf  diesem Weg nicht auch Einzug in unser Denken möglich geworden wäre. Astronomen haben zwar schon lange nach dem Fehler gesucht, denn manche Phänomene waren damit einfach nicht zu erklären, doch im Alltag störte es nicht, man bemerkte den Fehler einfach nicht. Obwohl das nicht ganz richtig ist, denn der Fehler war auch im Alltag nicht zu übersehen, nur man definierte ihn schlicht und einfach als gegeben. Vor mittlerweile mehr als 100 Jahren haben die Quantenphysiker herausgefunden, dass der Fehler nicht im System, sondern in unseren Ansichten über das System liegt. Nur hat sich das leider noch nicht so wirklich herumgesprochen, dass die Welt ganz anders funktioniert, als wir bisher dachten. Also die meisten von uns.

Was also ist zu tun? Ganz einfach: Die Dinge, die wir wissen können, einmal konsequent zu Ende denken und dann auch noch dementsprechend handeln. So wissen wir heute, dass Materie nicht der Baustein ist, aus dem die Welt zusammengesetzt ist, sondern dass vor der Materie erst einmal Geist steht. Etwas ganz Wesentliches, was aber wohl die meisten ganz schnell wieder vergessen. Warum auch immer, aber das zu ignorieren ist ein fataler Fehler. Denn das bedeutet, dass wir normalerweise etwas ganz Wichtiges schlichtweg ignorieren, nämlich das, was wir denken. 

Wir denken nämlich nicht über die Wirklichkeit nach, sondern was wir denken wird Wirklichkeit.

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