Was zu tun ist

Wie verhindere ich die Entstehung des Bösen in mir selbst? Eine geistige Herausforderung. Also überlege ich mir, welche meiner Tätigkeiten eine Flow-Erfahrung mit sich bringt. Da ich nur mithilfe des CD-Spielers musizieren kann und ich mich beim Reden oder Schreiben nicht wirklich beobachte, wähle ich als Metapher das Motorradfahren; darüber haben sich schon andere den Kopf zerbrochen. Muss ich also nicht selber machen.

Es ist erst einmal eine Frage meiner gedanklich-mentalen Ausrichtung. Eines muss mir dabei klar sein, es ist ein fortdauernder Prozess. Und das stellt Anforderungen daran, wie ich ihn ausrichten muss, damit tatsächlich das eintritt, was ich beabsichtige.

Prozesse haben, sofern es keine mechanischen Prozesse sind, keinen klar definierten Anfang und kein eindeutiges Ende. Wie Motorradfahren, das beginnt ja auch nicht, wenn ich fahre, sondern viel früher. Den Impuls kann ich nicht benennen, er ist ‚auf einmal‘ da. Bewusst wird es mir, wenn der Gedanke auftaucht, dass ich fahren will, doch der Gedanke entsteht schon viel, viel früher – warum und wann auch immer. Und er endet auch nicht, wenn ich das Motorrad wieder abstelle, denn die gemachten Erfahrungen bleiben, sie existiert weiter und prägen mein zukünftiges Denken.

Kürzlich habe ich gelesen, dass man den Geist beherrschen muss, will man nicht von ihm beherrscht werden. Für mich ist das ein widersprüchlicher Gedanke, denn wer beherrscht da wen? Ich kann mich doch nicht selbst beherrschen! Schließlich bin ich ja nicht Münchhausen, der sich am eigenen Schopf aus dem Schlamassel ziehen kann! Ich kann mich selbst auch nicht zu etwas zwingen – entweder ich mache es oder eben nicht. Tue ich etwas widerstrebend, dann bedeutet das, dass ich etwas verdränge oder unterdrücke, mich also einer Regel unterwerfe, die ich nur widerwillig befolge. Spreche und denke ich also nicht im Konjunktiv, dann wird mir bewusst, an was ich mich halte, obwohl ich es im Innersten überhaupt nicht will.

‚Kein Konjunktiv‘ ist die Fingerübung für die Ausrichtung meines Geistes und damit meines Denkens. Beim Motorradfahren, fahre ich dorthin, wohin ich schaue. Schaue ich auf ein Hindernis, werde ich es treffen; schaue ich jedoch auf die Lücke, durch die ich will, dann werde ich durch die Lücke fahren. Im alltäglichen Leben ist es nicht etwa ähnlich, sondern genau so. Ich denke genau das, worauf ich meinen Geist ausgerichtet habe, ich also ausgerichtet bin. Durch die klare Ausrichtung schaffe ich die Bedingungen, die meinen Geist ganz real und sehr konkret Form annehmen lassen.

Dabei darf ich nicht vergessen, locker zu sein und zu bleiben. Sobald ich etwas zu erzwingen suche, misslingt es garantiert – wie beim Motorradfahren. Da lang schon ein ‚Ich-Will-Das-Unbedingt‘, dass es schwierig wird. Eine wirkliche Herausforderung war es für mich – und ist es oft auch immer noch – dabei konsequent dabei zu bleiben und mich nicht abbringen zu lassen. Das setzt einiges an Selbsttoleranz voraus, durfte ich doch nicht aus der Haut fahren, wollte ich es nicht auch noch völlig vermasseln.

Es geht also um Prozessverständnis, kein Konjunktiv, klare Ausrichtung, entspannte, gleichwohl konsequente und beständige Haltung. Der Rest ist Wissen; das kann man sich leicht aneignen. Wichtig sind die Bedingungen, die mich ausrichten, die muss ich nämlich wollen, ohne wenn und ohne aber.