Was, wenn es ganz anders ist?

Manchmal möchte ich manche Menschen schütteln in der Hoffnung, dass sie endlich aufwachen würden. Weshalb? Gerade ist das neue Kursbuch 212 herausgekommen, mit einem ‚zeitgemäßen‘ Titel: „Jetzt wird´s knapp.“ Und in genau dieser pessimistischen Formulierung steckt das Problem.

Weshalb ich das denke? Seit über 100 Jahren gibt es neue physikalische Erkenntnisse, die unserem alltäglichen Weltverständnis (und in der Folge auch unserem alltäglichen Menschenverständnis) diametral entgegenstehen.

Wir müssen (!!) definitiv davon ausgehen, dass Naturwissenschaft die Natur nicht beschreiben, sondern die Natur, der unserer Fragestellung ausgesetzt ist (Heisenberg, Bohr) – die Beschreibung nicht der Natur, sondern unseres Sehens der Natur. Damit ist die Vorstellung der idealisierten Objektivität, von der die klassische Physik ausgegangen war, obsolet.

Das bedeutet, dass das, was ich zu sehen glaube, tatsächlich nicht stimmt. Wenn ich also, extrem formuliert. Feststelle, dass der Herr Maier ein Depp ist, dann stimmt das nicht, ich denke nur, er sei ein Depp. Also liegt das Problem nicht bei Herrn Maier, sondern bei mir. Ich habe eben aus seiner Handlung geschlossen, dass er eben ein Depp wäre.

Nur seine Handlung rechtfertigt niemals meine oder die Bewertung eines anderen seiner Person. Das sagt mir ganz klar die moderne Physik. Übrigens auch alte Philosophien, wie beispielsweise Ch’an oder Taoismus. Wie heißt es da doch so (scheinbar) einfach: „Es gibt keinen Handelnden, bloß die Handlung. Keine Erfahrung, bloß den Erfahrenden, nur sich zusammenfügende Teile, in Wandlung begriffen.

Ja, es kostet regelrecht Überwindung, das so zu sehen und dann auch noch so zu denken. Aber es ist korrekt. Wie gesagt: Die Welt ist, wie sie ist. Nur die meisten Menschen verstehen die Zusammenhänge falsch, halten das, was sie wahrnehmen, ganz selbstverständlich für gegeben. Was es aber nicht ist. Wie gesagt: „Es gibt keine Erfahrung, bloß den Erfahrenden.“

Ja, wir haben uns ganz offensichtlich und nicht bestreitbar in die Schei…. (darf ich nicht mehr sagen, sonst bekomme ich Ärger mit meinem Enkel) geritten. Also drehen wir uns um und gehen zurück. Nein, nicht zurück auf die Bäume, sondern wir gehen ganz einfach den Weg zurück, den unser Denken genommen hat und lösen uns aus unzutreffendem Denken. Ist wesentlich einfacher als auf Bäume zu klettern, jedenfalls für mich.

Vielleicht hieße dann das nächste Kursbuch „Der Weg aus dem Fliegenglas des Denkens“?