Zum Inhalt springen →

Was tun, sprach Zeus

So denken wahrscheinlich die meisten Menschen, die die Welt und das Wirken der Menschen auf ihr mit einem kritischem Blick betrachten. Es scheint wirklich so zu sein, wie Schiller es in seiner Ballade „Teilung der Erde“ ausdrücken wollte: Völlige Ratlosigkeit.

Die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann formulierte es auf WDR 5 mit dieser (etwas zusammengefassten) Aussage: „Wir wissen, dass wir entschieden zu viel verbrauchen. Es ist klar, dass die Wirtschaft schrumpfen muss. Doch wie das genau aussehen kann, dafür gibt es kein Modell.“ Nein, dafür gibt es kein Modell. Und das wird es auch nie geben. Doch das ist kein Drama, denn eigentlich wissen wir seit geraumer Zeit, wo wir anfangen müssten. Wir brauchen es nur zu tun, nämlich anders zu denken.

Es liegt auf der Hand, dass, wenn ich mich selbst als ein von allem Anderen getrenntes, aus sich selbst heraus existierendes Wesen verstehe, ich mich gegen andere abzugrenzen suche, ja zwingend suchen muss. Mich nicht abzugrenzen würde ja meine angenommene Identität in Frage stellen! Wir erleben Raum, Zeit und Materie als äußere Welt und als Grundlage unserer Existenz. Diese Welt scheint unabhängig von uns, so wie sie ist, zu existieren. Die Auffassung, dass das tatsächlich so ist, nennt man in der Philosophie ‚Naiven Realismus‘. Wir erleben die Welt nicht direkt, wir erleben sie bewusst, wir erkennen einzelne Weltinhalte.

Das übliche Welterleben unterscheidet eine subjektive Innenwelt und eine objektive Außenwelt. Und genau da liegt das Problem. Mittlerweile wissen wir, dass das nur vordergründig so ist. Denn tatsächlich ist es ganz anders. Die Schwierigkeit liegt darin, dass die atomaren Strukturen unserer Wahrnehmung nicht unmittelbar zugänglich sind. Denn dann würden wir sehen können, dass die Welt nicht so aufgebaut ist, wie wir bisher glaubten. Ich bin der festen Überzeugung, wenn wir verstünden, wie wir ‚funktionieren‘, dann würden wir uns ganz anders verhalten. Also müssen wir aus dem, was wir wissen, etwa dank physikalischer Untersuchungen, philosophische Schlüsse ziehen.

Wir brauchen nur Antworten auf die fundamentalen Fragen zu finden, die die Quantenphysik aufgeworfen hat und noch immer aufwirft. Um dieses Wissen auch auf unser Leben anwenden zu können, brauchen wir die entsprechende Philosophie, sonst werden wir es nicht auch denken können. Die Schwierigkeit ist, dass wir die Welt nicht ‚begreifen‘ können. Begreifen können wir nur dingliche Weltinhalte. Den Regenbogen können wir auch nicht (be-)greifen. Wenn wir uns ihm nähern, weicht er zurück und verschwindet am Ende.

Und das entzieht sich ganz einfach unserer gewohnten Logik. Was bedeutet, dass wir anders zu denken lernen müssen; ein Denken, das der Welt entspricht, wie sie tatsächlich ist. Dazu brauchen wir die stimmige Philosophie. Wenn wir das tun, jedenfalls ist das meine feste Überzeugung, dann werden wir auch ohne Modelle Lösungen finden.

All das einfach zu ignorieren ist definitiv keine sinnvolle Lösung.

Veröffentlicht in Blog