Was ist der Weg von böse zu gut?

Philip Zimbardo, emeritierter Professor für Psychologie an der Stanford University, hat über das Problem von gut und böse geforscht und dieses Phänomen „Luzifer-Effekt“ genannt. Eine erste Annäherung hat er bereits 1971 in dem berühmten Stanford-Experiment gewagt. Seine – erschreckende – Erkenntnis: „Ich bin der autoritäre, herrische Machtmensch geworden, dem ich mich mein ganzes Leben entgegengestellt, den ich sogar verabscheut habe.

Auch ich selbst war mir lange nicht bewusst, welchen inneren Aspekten ich folgte, was ja auch logisch ist, denn sie sind eben nicht bewusst. Doch sich dessen bewusst zu sein ist nur die halbe Miete, erst als ich verstand, weshalb ich war, wie ich eben war, konnte ich es anders machen, anders leben.

Es geht also um das Weltbild, aus dem heraus ich denke, das mir aber erst einmal nicht bewusst ist, selbst wenn ich glaube zu wissen, warum ich was tue. Und das fing bei meinen Eltern an. Mein Vater war ein fürsorglicher Arzt, allseits anerkannt – mit einer schrecklichen Vergangenheit.

Die Botschaft von Hannah Arendt verhallt leider noch immer ungehört: Es waren ganz normale Menschen, keine Bestien, keine Monster. Doch wenn die – wie mein Vater – ganz normal und Mörder waren beziehungsweise wurden, dann bedeutet das, dass auch ich das werde oder werden kann, wenn die Umstände entsprechend sind.

Ich habe also schlicht nur Glück gehabt. Oder ich habe einfach nicht gemerkt, nicht was ich getan, sondern was mein Tun bewirkt hat.

Es braucht mehr als Wissen, um dieser geistig-gedanklichen Falle entkommen zu können. Denn in der Falle saß ich, nur sie ist nicht zugeschnappt, die Zeiten waren einfach gnädig mit mir.

Es geht um mein und vielleicht auch unser aller Denken, das es zu ändern gilt. Nicht das Denken an sich, sondern die Strukturen.  Das ist kein Einmaleins, das ich auswendig lernen könnte und dann ist es gut, es geht um meine innere Denkstruktur. Die aber ändert sich nicht so einfach.

Ich habe gerade das Buch „Physik und Unendlichkeit“ gelesen, das Lösungen ganz klar aufzeigt – aber keine Weg, wie man da hinkommen kann. Nur es ist eines, das für mich selbst zu erkennen und damit zu beginnen, es umzusetzen; etwas ganz anderes ist es, wie man das jungen Menschen vermitteln kann, die anders als ich mit meiner Familiengeschichte, nicht den Druck haben, anders leben zu wollen, sondern die nach dem Motto leben „Ist doch alles gut!?“, dabei aber nicht merken, dass sie – bildlich gesehen – einen Schritt vor dem Abgrund stehen, ihn aber vielleicht nicht wahrnehmen.

Es braucht also mehr als Wissen, um dieser geistig-gedanklichen Falle entkommen zu können. Denn in der Falle saß ich, nur sie ist nicht zugeschnappt, es waren  andere Zeiten. Gott sei Dank. Es geht mir daher um die Frage, wie man das zu internalem Handlungswissen werden lassen kann.

Schließlich erreiche ich andere nur durch das, was und wie ich bin.