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Was bin ich eigentlich?

Mein Selbstbild ist in der letzen Zeit ordentlich ins Wanken geraten. Dabei ist mir klar geworden, dass es überhaupt nicht mehr um die Frage geht, wer ich bin, sondern darum, was ich bin. Der Unterschied in der Fragestellung ist gewaltig. Mich ernsthaft darauf einzulassen wird meine bisherige Sicht von der Welt und mir ordentlich auf den Kopf stellen. Da bin ich mir sicher.

Nur darf man die Frage „was ich bin“ nicht mit Sozialangaben beantworten, also nicht mit „verheiratet, 69 Jahre, Jurist, 2 Kinder“, sondern indem man das letzte Beschreibbare zu benennen sucht, etwa so, wie die Physiker um die Jahrhundertwende unter anderem Wissen wollen, aus was Materie eigentlich besteht, dabei ganz genau hinschauten und das entdeckten, was wir heute Quantenphysik nennen.

Aber von vorne. Die Welt, das sind wir, wir alle zusammen, alles, was über Bewusstsein verfügt. Also nicht nur wir Menschen, aber vor allem wir Menschen. Nicht umsonst haben wir das komplexeste Gehirn unter den Lebewesen der Welt. Doch das bedeutet nicht, dass sich dessen jeder Mensch bewusst wäre.

Auch eine Fliege, Stechmücke oder Motte trifft Entscheidungen. Das merkt man sehr schnell, wenn man sie erschlagen möchte. Und schon sind sie weg. Was ich natürlich bei Fliegen nicht tue, den die schaden mir nicht. Und selbst ein Einzeller wie der Blob gestaltet die Welt. Er stellt so ziemlich alles in Frage, was der Mensch über intelligentes Leben zu wissen glaubt. Was den Menschen so richtig von seinem Intelligenzthron herunterholt.

Durch den Blob habe ich endlich gelernt oder begriffen, dass Intelligenz nichts mit Gehirnen zu tun hat. Er kann komplexe Probleme lösen und zeigt erstaunliche Lern- und Kommunikationsfähigkeiten. Das Gehirn ist eher so etwas wie der Datenspeicher und der Rechenchip an meinem Computer. Nur dass ihn das nicht „intelligent“ macht, nur funktionsfähig. Seine „Intelligenz“ bekommt er durch die Programme.

Dass das mich und uns alle von dem Sockel herunter holt, auf den wir uns so gerne stellen, tut erst einmal weh, aber es ist ziemlich heilsam. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto interessanter ist es. Denn das bedeutet für mich letztlich, dass ich über viel mehr Möglichkeiten verfüge, als ich bisher gedacht habe. 

Wenn ich sehe, was ein Einzeller kann, was kann dann erst ich? Faszinierend. Doch das setzt voraus, dass ich mich davon löse mich zu fragen, wer ich bin, denn das verhindert darüber nachzudenken, was ich bin. Das aber ist die entscheidende Frage, denn meine wahre Natur liegt im „was“, nicht im „wer“.

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