Von Tieren lernen

Es gibt einiges, was ich von Tieren lernen kann. Genau genommen extrem viel. Nur welches Tier suche ich mir aus? In der Natur existiert ja nichts, was keinen Nutzen für das Gesamtsystem hat, auch wenn das manchmal schwer zu erkennen und vor allem zu akzeptieren ist.

Manche stellen sich ja die Frage, ob die Menschheit angesichts des Chaos, das sie gerade anrichtet, nicht verzịchtbar ist. Aber keiner kann ja über uns stehen, wie will ich also als Mensch diese Frage beantworten können? Statt den Kopf in den Sand zu stecken sollte ich mich also fragen, was im Zusammenleben der Welt (und nicht nur der Menschheit) wichtig ist, wo es also ein funktionales Defizit gibt. Was wir schnell als charakterliches Defizit beschreiben ist tatsächlich „nur“ ein funktionales.

Für mich persönlich steht von den besser bekannteren Tieren die Katze ganz vorne. Von Delphinen weiß ich einfach zu wenig. Aber die kämen auch in Frage, wenn sie auch ganz anders als Katzen zu sein schienen. Daher bleiben sie definitiv auf meiner Liste. Doch erst einmal Katzen. Was also könnte ich von Katzen lernen? 

Eigensinnig, starrköpfig, unabhängig – mit diesen Attributen werden Katzen häufig beschrieben. Was sehr viel über uns Menschen aussagt. Wer sich nicht anpasst und macht, was alle anderen machen, der wird schnell mit Attributen wie eigensinnig oder starrköpfig belegt – und entsprechend klassifiziert. Aber von vorne:

Auch Katzen sind nicht unabhängig, niemand ist das. Nur machen sie sich nicht abhängig, um etwas zu bekommen. Und das hat was. Was vielleicht damit zusammenhängt, das ist, dass Katzen eines perfekt können, nämlich nicht zu tun, wenn nichts zu tun ist. Müßiggang ist nun einmal eine Tugend. Jedoch, anders als viele Menschen das tun oder Müßiggang so verstehen, Katzen sind dabei nicht am Grübeln oder Tagträumen, sondern ganz wach. Selbst wenn sie daliegen und scheinbar nur die Sonne genießen sind sie hellwach, nichts entgeht ihnen. Diese entspannte Gespanntheit ist wirklich bewunderns- und absolut nachahmenswert.

Katzen sind in ihrem Verhalten wirklich perfekt, doch sie sind keine Perfektionisten. Das hat damit zu tun, dass für sie offensichtlich nur das Beste gut genug ist. Das würde mir vielleicht helfen, mich nicht immer wieder von der Stimmung anderer Menschen herunterziehen und / oder mich schlecht fühlen zu lassen. Und es sollte mir egal sein, was andere über mich denken. Einer Katze ist das nämlich auch egal. Niemand muss einer Katze Selbstrespekt erklären. Den haben sie definitiv.

Was ich an Katzen wirklich bewundere ist ihre Fähigkeit, ganz bei sich zu sein. Sie brauchen einfach niemanden, um zufrieden zu sein. Und wenn keiner da ist, mit dem man spielen kann, dann spielt man eben alleine. Punkt. Es wäre wohl falsch davon auszugehen, dass sie Einzelgänger sind, denn das sind sie nicht wirklich, sie machen nur ihr Wohlbefinden nicht von anderen abhängig. Sie sind ja nie wirklich alleine, denn sie sind immer in Bezug zu der Welt um sie herum. Sie machen zwar was sie wollen, doch sie drängen sich dabei niemandem auf. 

Das vielleicht Hervorstechendste an einer Katze ist ihre Ehrlichkeit. Sie machen kein Hehl daraus, was sie wollen, und das holen sie sich auch. Doch ich käme nie auf die Idee, deswegen eine Katze für egoistisch zu halten. Nein, sie machen einfach, was für sie richtig ist. Das verfolgen sie auch konsequent. Und bevor sie sich anpassen, gehen sie lieber ihres Weges. Sie machen einfach keinen sozialen Klimbim. Sie tun nur, wonach ihnen wirklich ist. Wie gesagt, das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit Eigenständigkeit. 

Dass Katzen nicht egoistisch sind, sieht man auch an ihrem Spieldrang, den sie scheinbar erst mit ihrem Tod ablegen. Sie spielen nämlich nicht um zu gewinnen, sondern um wirklich nur zu spielen. Dabei hilft ihnen auch noch eine typische Katzeneigenschaft, nämlich das absolut fokussiert sein. Viele denken ja, sie seien multifunktionsfähig, obwohl das nachgewiesener Maßen nicht stimmt. Ganz abgesehen davon, dass man fokussiert und konzentriert seine Aufgaben wesentlich besser und auch schneller erledigt. 

Katzen leben vollkommen in der Gegenwart. Und deswegen sind sie auch „sie selbst“. Ich habe zwar noch keine Katze dazu befragen können, aber es scheint so zu sein. Von mir selbst weiß ich, dass ich mir viel zu schnell Gedanken über Dinge mache, die mich aber nicht weiter bringen. Und genau das machen Katzen nicht. Sie leben im Alltag so, wie ich (idealer Weise) Motorrad fahre: Entspannt, hoch konzentriert, klar fokussiert, ohne Selbstbezogenheit, mit Vergnügen und auf alles bezogen, jeden Moment bereit zu reagieren, wenn es sein muss.

Das wie eine Katze auch im Alltag zu leben, dabei würde mir eine weitere Katzeneigenschaft helfen, nämlich immer  neugierig und lernbereit sein. Ja, es gibt vieles, was ich von einer Katze lernen kann – und will.