Verständnis

Es gibt Dinge in der Welt, die ich und vielleicht auch sonst niemand erklären kann. Das war der Grund, weshalb ich Ch’an lange nicht ‚begriffen‘ habe, sondern nur nachplappern konnte. Es war zwar korrekt, was ich sagte, aber begriffen hatte ich es nicht wirklich, ich war nur fasziniert davon.

Als ich anfing mich mit den grundsätzlichen Fragen zu beschäftigten, die die Erkenntnisse der Quantenmechanik aufwerfen, wurde mir klar, dass ich Ch’an ganz offensichtlich nicht begriffen hatte, einfach deswegen, weil es nicht zu begreifen ist. Eine Tatsache, worüber meines Erachtens nach im Ch’an nie klar gesprochen beziehungsweise geschrieben wird, nur verklausuliert, wie etwa über solche Dinge wie Denken durch NichtDenken oder Handeln durch NichtHandeln – was sich eben nicht erklären, sondern nur erfahren lässt.

In der beweisorientierten Quantenmechanik wird über Dinge gesprochen und geschrieben, die ganz klar zu begreifen sind, etwa den Doppelspaltversuch, die Verschränkung, die Kohärenz oder die Tatsache, dass Elementarteilchen auftauchen und wieder verschwinden. Doch warum das so ist, das kann niemand erklären.

Dass all das „passiert“ (wie Hans-Peter Dürr es genannt hätte), was die Quantenmechaniker feststellen, lässt sich nicht bestreiten, aber eben nicht begreifen. Mit dem Verstand ist es nicht zu fassen. Doch wenn ich mich darauf einlasse kann es passieren, dass ich es empfinde und damit auch erfahre. Wobei mir definitiv das Motorradfahren geholfen hat, denn das „zwingt“ mich regelrecht in eine Flowerfahrung.

Das ist ja der Witz an dem Ganzen: Viele Menschen haben es schon erlebt, nur eben nicht verstanden, was sie da erlebt haben. Denn so etwas passt einfach nicht in unsere realistische Weltanschauung und wird schnell in die Ecke Mystizismus abgeschoben. Aber da gehört es nicht hin, sondern in den Schrank mit der Mystik.

Die Frage ist nur: Übertrage ich es auch in meinen Alltag und vor allem in mein Denken? Denn darum geht es, wirklich immer so zu denken und nicht nur im Flow.