Umgang mit Illusionen

Gar nicht so einfach! Bevor wir auf die Frage eingehen können, was die Illusion zur Illusion macht, wir also darauf eingehen können, müssen wir erst einmal akzeptieren, dass es das ist: Eine Illusion.

Darauf kam ich, als ich einen Artikel las, dessen Überschrift „Die große Illusion“ war. Danach kam das Abstract: „Hirnforscher stellen fest, dass wir nicht die Welt wahrnehmen, sondern ein Fantasiebild, das sich mit ihr deckt – meistens.“ Und da sollte man nicht mehr weiterlesen. Erst einmal.

Ich habe mir bei solchen Texten angewöhnt, mich erst einmal auf das Abstract einzulassen. Ich will es also nicht verstehen, sondern empfinden. Denn ich muss mir etwas vorstellen können, was ich mir ja noch nicht vorstellen kann. Kommen dann sofort Erklärungen, dann lenkt das nur ab. So wie in obigem Fall, mit einer Metapher: „Schließen Sie einmal ein Auge. Sehen Sie jetzt ein Loch im Text, einen schwarzen Fleck auf der Zeitungsseite? Nein? Dann haben Sie allen Grund, misstrauisch zu sein. Denn auf ihrer Netzhaut ist ein solcher Fleck.

Stimmt. Das Dumme ist nur, dass das nicht miteinander vergleichbar ist. Ausgangspunkt war eine Fantasie. Die Metapher aber ist ein Trick des Gehirns, mehr nicht. Eine lückenhafte Information wird durch das Gehirn vervollständigt. Und genau das, die Vervollständigung, wird dann zur Basis des Verständnisses des Textes – womit man aber ganz falsch liegt. Ich habe ja erst vor Kurzem darüber geschrieben, wie Wahrnehmung entsteht.

Damit schließt sich der Kreis. Denn wir selbst sind es, die das Fantasiebild konstruieren, von dem in dem Artikel die Rede ist. Es geht also um die Konstruktion der Wirklichkeit – und nicht darum, dass die Wirklichkeit eine Illusion wäre. Ich bin also nicht dem Text gefolgt, sondern ich bin dem verwendeten Begriff, hier Illusion auf den Grund gegangen.