Teufel sei Dank!

Manchmal kann des Teufels Generals ausgesprochen hilfreich sein. Vor allem, wenn man sich ganz sicher glaubt, dass man richtig denken würde, einfach, weil viele so denken. Ich habe hier ganz bewusst von „richtig denken“ geschrieben, nicht von „richtig sehen“. Das ist nämlich etwas ganz anderes. Was ich wahrnehme, basiert ja auf meinem Denken.

Üblicherweise meinen wir ja, wir würden erst wahrnehmen und dann denken, dass also Wahrnehmung zustande kommt, indem die Rezeptoren unserer Sinnesorgane durch Reize erregt werden und diese zur weiteren Verarbeitung (über die Nerven) zur Hirnrinde geleitet werden. Die ankommenden Informationen werden dann im Gehirn zur Wahrnehmung.

Wahrnehmung wird also definiert als ein komplexer Prozess der Informationsgewinnung durch die Verarbeitung von Reizen. Die Reizverarbeitung erfolgt nach subjektiven Kriterien – jeder nimmt (aufgrund individueller Erfahrungen und vorheriger Lernprozesse) individuell wahr.

Nur stimmt das überhaupt? Buddhisten sehen das ganz anders. In ihrem Denkkonzept kommt Wahrnehmung an dritter Stelle. Und wer sich jetzt freut und auf seine Gefühle vertraut, weil an zweiter Stelle die Gefühle kommen, die oder der muss wissen, dass darunter etwas ganz anderes verstanden wird als das, was wir unter „Gefühl“ verstehen.

Im buddhistischen Verständnis ist es die erste, eher passive und instinktive Reaktion – also nichts mit „ich fühle das ganz genau!“ Eine reine Empfindung, frei von jeglicher Emotion, einfach nur „mag ich“, „mag nicht“ oder „neutral“. Ganz leise, nicht wahrnehmbar. Sobald das ins Bewusstsein vordringt und sich der erste Gedanke aus unserem Gehirn gebahnt hat und zum Gedanken geworden ist, dann ist schon längst das Denken involviert.

Ganz klar ist, dass wir ohne Kenntnis von etwas es nicht erkennen, nicht wahrnehmen können. Lässt sich sehr gut bei kleinen Kindern beobachten. Die können nur erkennen, was sie kennen. Und uns geht es nicht anders. Was wir nicht kennen, kennen wir eben nicht und können es deswegen auch nicht wahrnehmen. Punkt. Das ist eine der Überlegungen, der man durch genaues Nachdenken auf den Grund gehen kann.

Es gibt dazu eine interessante Episode. Als Columbus Amerika das erste Mal mit seinen Schiffen erreichte, sahen die Eingeborenen die Schiffe nicht, nur Wellen. Wellen kannten sie, aber keine Schiffe. Das war die Form für ihre Wahrnehmung. „Reduzierte“ Wahrnehmung hat also etwas mit „reduzierter“ Denkfähigkeit zu tun.

Verifiziere ich also meine Gedanken, prüfe ich letztlich, ob das, was ich wahrnehme, was ich also denke, überhaupt stimmen kann. Damit prüfe ich letztlich nicht mein Denken, sondern die Form meines Denkens. Und das sollte ich nicht nur ab und zu tun, sondern regelmäßig. Prüfen, ob die Form stimmig ist. Dabei ist des Teufels General eine nicht zu unterschätzende Hilfe.