Täter, Opfer und Unbeteiligte

Jeder hat eine ganz andere, eigene Perspektive. Als unbeteiligter Betrachter oder Beobachter muss ich wissen, dass beide die Folgen der Tat nur unter bestimmten Voraussetzungen loswerden. Die Frage ist also, wie sie mit den Folgen, nicht der Tat an sich umgehen. Wenn das Opfer verzeiht oder vergisst, wird auch der Täter vergessen können, sonst nicht.

Manche Taten sind jedoch zu gravierend, als dass sie verziehen werden könnten. Dann bleiben die Folgen der Tat für beide unverändert. Etwas anderes ist nur dann, wenn das Opfer den Täter für eine gravierende Tat nicht hasst; das entlastet das Opfer, nicht aber den Täter.

Als Betrachter oder Beobachter sehe ich Täter wie Opfer immer zusammen mit den Folgen der Tat, denn nicht die Tat ist vorrangig wichtig, sondern die Folgen und was das Opfer erleiden musste.

Wieder andere Taten berühren nicht nur Täter und Opfer, sondern haben über beide hinausgehende Folgen. Das bedeutet, dass die Haltung der indirekt Beteiligten von der Haltung der Opfer beeinflusst werden. Verzeiht beispielsweise das Opfer dem Täter, kann auch der Beteiligte die Sache auf sich beruhen lassen.

Verharren Täter, Opfer oder indirekt Beteiligte in der Betrachtung der Tat, belastet das vor allem sie selbst. Wobei, wie gesagt, die Folgen der Tat allein durch aufrichtiges Verzeihen und Vergeben beseitigt werden können. Der gesellschaftliche-staatliche Strafanspruch hat nur etwas mit der Gesellschaft, aber nicht beziehungsweise sehr selten auch etwas mit dem Opfer zu tun.

Darüberhinaus können Taten über die Beteiligten hinaus eine Bedeutung haben, nämlich dann, wenn es gesellschaftliche Auswirkungen hat oder sich darin ein gesellschaftliches „Problem“ widerspiegelt.