Szenenwechsel

Warum ist es nur so schwer, sich zu ändern? Etwa anders zu denken, selbst wenn man weiß, dass das ‚eigentlich’ richtig wäre? Eine interessante Frage, nicht wahr? Nur ist es ja so eine blöde ‚warum‘ Frage. Entschuldigung für diese Einschätzung, doch Fragen nach einem ‚warum?‘ führen nun einmal selten zu einer wirklichen Lösung, vor allem nicht in komplexen Systemen.

Eine Feststellung, die mich aber weiterbringt, denn es gibt, wenn ich es recht überlege, überhaupt keine nicht-komplexen Systeme, nur solche, die man im Moment durchaus als nicht-komplex behandeln darf, etwa wie man eine Schraubenmutter auf eine Schraube dreht. Lässt man die Frage aus, was die Schraube zu Schraube und eine Schraubenmutter zur Schraubenmutter macht, dann ist das ein scheinbar nicht komplexes System. Wenn mich meine Nachbarin fragt, ob ich zwei Eier für sie hätte, dann ist das scheinbar auch eine nicht-komplexe Frage, solange ich mich nicht frage, wie ich es anstelle, in den Kühlschrank zu schauen und nachzusehen, ob da noch zwei Eier für sie sind.

Die Frage ist also, bei welchem Grad der Komplexität ich anfange, anfangen muss, damit ich eine stimmige Antwort finden kann. Denn auch die Frage, weshalb es mir schwer fällt mich zu ändern, kann ich entweder als komplizierte oder eben als komplexe Frage ansehen. Wäre es eine komplizierte Frage, käme ich mit Logik und Verstand zur Lösung, ist es eine komplexe Frage, dann muss ich ‚anders‘ denken, nämlich durch NichtDenken. Komme ich also durch Logik und Verstand nicht weiter, ist es wohl eine komplexe Frage, die einen anderen Denk-Umgang braucht.

Also mache ich es wie Musiker. Musik ist ja ein sehr komplexes System. Ein Instrument spielen lernt man am einfachsten durch die Kunst des anstrengungslosen Entstehenlassens und eben nicht durch bewusst gesteuerte Manipulation des Bewegungsapparates. Ein solches ‚Üben im Flow‘ regt die Selbstorganisation meines Systems an. Komplexe Systeme ‚funktionieren’ nun einmal am besten im Zustand der Selbstorganisation, was ganz besonders für den notwendigen Umbau der neuronalen Struktur meines Gehirns gilt, wenn ich nämlich anders denken will. Anders denken heißt ja andere Netzwerkstruktur meiner neuronalen Synapsen nutzenzu können.

Das aber kann ich nicht ‚machen’, sondern nur entstehen lassen. Also ein klares Ziel, aber die Durchführung überlasse ich dem NichtDenken und der Selbstorganisation, was natürlich ganz leicht ist, denn dann übe ich ja im Flow, wie bei dem Erlernen eines Musikinstrumentes! Die beste Beschreibung dieses Geisteszustandes finde ich ist einspitziger Geist als höchste Konzentration. Klare Ausrichtung, keine Ablenkung, kein Abschweifen. Davor steht natürlich noch etwas anderes: Die klare Entscheidung, so sein zu wollen.

Es ist der Anspruch an mich selbst, der den Unterschied macht.