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Sich selbst in Ordnung bringen

Dafür braucht es manchmal nicht einmal Spritzen oder Pillen. Das hat eine Studie ergeben, die Dean Ornish im Juni 2008 durchführte. Bei 30 an Prostatakrebs Erkrankten verschrieb er statt Pillen eine „umfassende Änderung des Lebenswandels“: Spazierengehen, Entspannungsübungen, gesunde Ernährung. Nach drei Monaten fanden er und seine Kollegen heraus, dass in den Zellkernen mit einem Mal ganz andere Gene aktiv waren als vor der Vitalkur.

Die Probanden hatten ganz offensichtlich Ordnung in ihrem Innenleben geschaffen. Die Maßnahmen der Vitalkur waren nicht ursächlich, sondern die Änderung des Lebenswandels. Aber auch das war nicht die eigentliche Ursache, die die Änderung ausgelöst hat. Dazu gehören vor allen Dingen Einstellungen wie das Verhalten und die Beziehung zu anderen. Mit anderen Worten: Die grundlegende Struktur des Denkens war eine andere geworden.

So wie es manchmal sinnvoll ist, seine Schränke einmal gründlich zu durchforsten, so ist es auch sinnvoll, das eigene Denken einer permanenten Inventur zu unterziehen, durch Achtsamkeit und Bewusstheit. Nur so kann man feststellen, dass man nichts übersehen hat und sich nicht doch irgendwo wieder still und leise der Schlendrian eingenistet hat.

Bringt man sein Leben in Ordnung, verändert man langfristig die Struktur des eigenen Denkens. Was natürlich auch bedeutet, dass  das Leben selbst in Unordnung ist, ist das Denken in Unordnung. Nur ist das nicht immer so leicht feststellbar; vieles Falsche fühlt sich ja dummerweise ganz richtig an, obwohl es das gar nicht ist.

Wir können grundsätzlich nicht wissen, warum wir tun, was wir gerade tun. Allenfalls sind wir in der Lage, es zu ahnen. Doch wir sind dem nicht vollkommen ausgeliefert, denn wir können sozusagen ‚über Bande‘ spielen, also indirekt vorgehen. Zwar brauchen wir das Wissen um die Organisation unseres Gehirns, doch wir brauchen auch noch einen Weg, um dies zu implementieren.

Dazu braucht es eine eindeutige, bewusste und konsequent gelebte Ethik als Basis des eigenen Denkens. Das bringt vieles in Ordnung. Das Gute dabei: Man hat es selbst in der Hand es auch zu tun. Doch um es wirklich zu tun, darf man nicht darauf warten, dass ein anderer einem hilft. Das kann man nämlich nur selbst bewerkstelligen.

Was um uns herum geschieht beeinflusst uns fraglos, doch es determiniert uns nicht. Was wir letztlich tun, das ist immer unsere eigene Entscheidung.

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