Second Generation

Beide Seiten der Medaille und die Verbindung muss gesehen werden. Gerade habe ich gelesen, dass Abe Mazliach über seine Kindheit in einem DP-Lager spricht und wie die Erfahrungen seiner Eltern während des Holocaust sein Leben geprägt haben. Eine Seite der Medaille, die uns in Deutschland zu interessieren hat.

Die andere Seite der Medaille sind die Geschichten, die diejenigen zu erzählen haben, deren Eltern aktiv in das Geschehen des Nationalsozialismus involviert waren. Was nicht bedeutet, dass ich der Überzeugung wäre, diese Generation als Opfer zu verstehen. Sondern ganz anders. Sie sind, wie ich Angehörige eines Tätervolkes.

Es geht also darum, dass ich das nicht verleugne, wo ich herkomme, von wem ich abstamme. Wie gehe ich mit den Erfahrungen meiner Eltern um? Und wie gehe ich mit meinen eigenen um? Verdränge ich das oder bin ich bereit, das Erbe anzunehmen, das sie mir hinterlassen haben? Denn das haben sie! Durch Erziehung, durch die Kultur und so weiter und so fort. Allein wenn ich das akzeptiere, kann ich es wandeln, nur dann kann ich wirklich anders leben.

Was für mein Empfinden noch fehlt, das ist das Verbindende, der Rand der Medaille. Das lässt sich jedoch nur im Gespräch finden, dem Gespräch zwischen Opfer- und Täter-Nachfahren.