Ruhe bewahren!

Das Einzige, das hilft, wenn es schwierig zu werden scheint. Manchmal passiert es, dass unsere bis dahin heile Welt regelrecht zusammenbricht und wir uns mit Händen und Füßen sträuben uns einzugestehen, dass etwas nicht so läuft, wie wir es gerne hätten. Auslöser müssen nicht immer gravierende Einschnitte im Leben sein, es können auch scheinbar ganz banale Situationen sein, nämlich immer dann, wenn wir glauben, die Kontrolle zu verlieren.

Dinge unter Kontrolle zu haben und „Bescheid zu wissen“ hilft uns komplexe Situationen einfach zu machen. Aber leider nur scheinbar, wir meinen das zwar, doch die Wirklichkeit ist eine andere. Die Komplexität einer Situation kümmert das nämlich nicht die Bohne, sie lässt sich davon nicht abhalten, auch weiterhin komplex zu sein.

Nur wir stellen uns regelrecht taub mit der Folge, dass wir nicht merken, wie wir die Welt nur durch eine trübe Brille betrachten. Wir blenden einfach all die Verzerrungen emotionaler, kognitiver oder psychologischer Art aus, die uns den Blick auf die Welt verstellen. Doch wir können auch hergehen und lernen, das Denken an sich zu beobachten.

Was natürlich die Bereitschaft voraussetzt die Überzeugung aufzugeben, wir wüssten ganz genau, was Sache ist. Und natürlich auch die Bereitschaft, das Denken nicht zum „Sitz“ unserer Identität und Kontinuität zu machen. Wenn wir bereit sind, unserem eigenen Denken mit dieser geistigen Offenheit zu begegnen, passiert etwas Erstaunliches: Wir lernen uns selbst kennen.

Was oft der Grund ist, es nicht zu tun. Jedenfalls bei mir war es so, denn es war nicht immer erfreulich zu sehen, wie ich tatsächlich war und hoffentlich nicht mehr ganz so bin. An den noch vorhandenen Schlacken arbeite ich.

Dabei geht es immer wieder um Kontrolle. Das Üble ist nur, dass das, was ich zu kontrollieren suche, auch mich kontrolliert. Es hat eine Weile gedauert, mir das einzugestehen. Versuche ich mein Essverhalten in den Griff zu bekommen, hat mich die Beschäftigung damit im Griff. Ständig denke ich darüber nach, wie ich vermeide in den Keller zu gehen und nach Schokolade zu suchen.

Dabei ist die Lösung nahe liegend: Eine klare Ordnung, einfach und auf das Wesentliche reduziert. Bei anderen Dingen gelingt mir das schon, etwa bei meiner Textsammlung oder den Büchern im Regal. Auch bei meiner Kleidung bekomme ich das mittlerweile hin. Es wird immer weniger, aber dafür effektiver. Eben wesentlich.

Und es macht mir mich selbst bewusst. Ich nehme bewusster war, wie ich bin und nicht, wie ich glaube, wie ich wäre. Je klarer meine Ordnung ist, desto klarer nehme ich mich selbst wahr. Das Schöne dabei: Ich kann die Kontrolle aufgeben und fließe statt dessen mit der Situation – genauer, mit der Komplexität.

Ich muss „Ordnung“ nur richtig verstehen. Keine Ordnung wie auf einem Kasernenhof, sondern wie eine gute Bewegung. Die ist ja auch geordnet.