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Realität

Sprechen wir über die Realität oder die Wirklichkeit, dann tun wir meist so, als seien das die selbstverständlichsten Dinge der Welt. Doch sind sie das tatsächlich?

Seit ich mich intensiver mit den fundamentalen Fragen beschäftige, die die Quantenphysik so mit sich bringt, desto klarer wird mir, dass es wenig Klarheit darüber gibt, was wirklich ist.

Wenn ich mir das auf der Zunge zergehen lasse wie ein leckeres Stückchen Schokolade, dann schmilzt die Wirklichkeit genauso leicht wie die Schokolade in meinem Mund, je länger ich sie betrachte.

Es ist wie mit einer Bierdose, die man entweder mit einem Auge von unten oder von oben oder von vorne, hinten, rechts oder links betrachtet. Entweder ein Kreis oder ein Rechteck.

Fehlt uns sozusagen eine Dimension, ist es unmöglich sie (die Bierdose) so zu sehen, wie sie ist. Das ist, als würde ich die entgegenkommenden Autos nur mit einem Auge sehen können – es fehlt einfach eine Dimension für die perspektivische Wahrnehmung.

Und genau so ist es auch mit der Realität. Die sehe ich immer nur mit meinem eigenen Geist, nicht aber mit dem Geist des anderen. Also nicht objektiv, immer nur subjektiv.

Exakt so ist es auch mit der Wirklichkeit, die ich oder ein anderer sieht. Uns fehlt mindestens eine Dimension für die korrekte Wahrnehmung. Also dürfen wir nie behaupten, wir wüssten, was wirklich ist.

Was für mich wirklich ist, das sehe ich ganz klar und dazu stehe ich auch (bis man mir das Gegenteil nachweisen kann). Von ‚Realität’ rede ich konsequenterweise kaum noch. Denn außer den grundsätzlichen Prinzipien ist nichts gewiss.

Bei all dem habe ich die Wahl zwischen Arroganz (ich kann die Wirklichkeit sehen, wie sie tatsächlich ist) und Demut (die Welt ist mysteriös, magisch und oft sehr, sehr paradox).

Am besten komme ich mit ‚der‘ Realität klar, seit ich das Tetralemma nicht nur kennen gelernt habe, sondern auch so denke. Dann höre ich auf, meine Vorstellung von der Realität mit der Realität selbst zu verwechseln.

Fakt ist, dass uns die Quantenphysik zeigt, dass einige unserer grundlegenden Überzeugungen über die Wirklichkeit ihr nicht entsprechen. Also falsch sein müssen, was ein echtes Problem ist, denn niemand lässt sich gerne sagen, dass er die Wirklichkeit falsch sieht.

Beispielsweise gehe ich ganz selbstverständlich davon aus, dass das Licht aus ist, wenn es dunkel ist. Was es aber nicht sein muss, denn Licht plus Licht kann Dunkelheit ergeben. Funktioniert übrigens bei Cancelling-Kopfhörern auch so, nur eben mit Schall. Man nennt es destruktive Interferenz.

Bleibt natürlich die Frage, warum dann so viele Dinge immer gleich erscheinen. So wie etwa Sonnenlicht, dass die Phänomene, die ein Laser demonstrieren kann, eben nicht demonstrieren kann. Ganz einfach deshalb, weil da die Strukturen vermischt oder verwischt sind.

Die interessante, sich daran anschließende Frage ist, wie ich diese Vermischung in meinem ganz normalen Alltag wegbekomme. Dieser Welle-Teilchen-Dualismus ist ja nicht nur ein auf das Licht begrenztes, sonder ein allem auf die eine oder andere Weise innewohnendes Phänomen.

Sich darauf einzulassen ist ausgesprochen hilfreich, will man sich selbst ein wenig näher kommen.

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