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Quo vadis Gesellschaft?

Wir hatten kürzlich ein sehr interessantes Gespräch mit unserem Postboten über die aktuelle Situation in unserer Gesellschaft. Seine Diagnose war absolut stimmig.

Darüber waren wir uns einig.

Was er schilderte waren die Symptome. Nur die Symptome, jedoch keine Ursachen und damit auch keine Lösungsansätze. Einstein war sicher nicht der erste, der erkannte, dass man ein Problem nicht mit dem Denken lösen kann, durch das es entstanden ist. Doch genau so ist es.

Will man Probleme lösen, dann ist es erforderlich, anders als bisher zu denken. Doch wie soll das gehen? Und was bedeutet es „anders zu denken“? Dazu lief mir gerade ein interessanter Analogismus über den Weg:

Es ist wie die Entdeckung der Quarks. Sie hat unsere Theorie über die Physik völlig auf den Kopf gestellt. Es gab heftiges Kopfschütteln und Widersprüche, dabei ist es wahr.

Erst als die Wissenschaft es letztendlich akzeptierte, gab es uns ein sehr viel besseres Verständnis vom Leben. Hätten wir es geleugnet, hätte es keinen Fortschritt gegeben.

In der Gesellschaft ist dieses Denkens ganz offensichtlich noch nicht angekommen, es scheint zu radikal zu sein, denn es stellt die Strukturen komplett in Frage, an die wir bisher geglaubt und nach denen wir unser Leben organisiert haben. Oder eben noch glauben und noch organisieren.

Die moderne Quantenphysik stellt unser tradiertes Weltbild fraglos komplett auf den Kopf. Und es ist keine Theorie, sondern feststellbare und mittlerweile durch viele Versuche bestätigte Tatsache. Dabei geht es nicht um die Physik an sich, sondern um die Heckwelle, die sie verursacht.

Die Physiker (und nicht nur sie) haben eine Reihe fundamentaler Fragen erkannt, die unser übliches Verständnis von Wirklichkeit tatsächlich auf den Kopf stellen. In dem Moment, in dem wir uns ernsthaft darauf einlassen, beginnen wir schon anders zu denken. Also stimmiger.

Allein das „Sich-Einlassen“ führt unmittelbar zu einem anderen Denken. Natürlich setzt das voraus, dass man sich wirklich einlässt. Das ist die „Conditio sine qua non“ die „Bedingung, die nicht hinweg gedacht werden kann“. Man muss es ganz einfach tun. Wenn ich schwimmen lernen möchte halte ich auch nicht nur einen Zeh ins Wasser und unterhalte mich darüber, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn ich schwimmen könnte.

Das ist die eigentlich Herausforderung, denn es bedeutet, bekanntes Terrain aufzugeben und sich auf nicht Bekanntes einzulassen. Selbst wenn die dem bisherigen Denken zugrunde liegenden Annahmen unzutreffend sind, werden sie nicht ohne weiteres aufgegeben, solange man sich die Alternative nicht vorstellen kann. Doch etwas, das man nicht kennt, kann man sich nicht vorstellen. Und das ist das eigentliche Problem.

Wie kann man einen Menschen bewegen, sich auf etwas ihm völlig Unbekanntes einzulassen?

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