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Prozesse

Beim Darüber-Nach-Grübeln, warum wir Menschen uns ganz ernsthaft gegenseitig oder sogar selbst das Leben schwer machen, aber auch genauso ernsthaft hilfsbereit und äußerst freundlich sein können, kam mir in den Sinn, dass ich selbst ja unter Umständen ein gutes Modell für die Gesellschaft bin, vielleicht sogar für die Welt, schließlich bestehe ich ja aus der identischen Substanz, nur eben ein winziger Teil davon.

Ich bestehe aus einer riesigen Menge von Zellen, so etwa 100 Billionen, die nur wenige hundert unterschiedliche Aufgaben zu erledigen haben und von denen in jeder Sekunde rund 50 Millionen sterben und sich neu bilden. Ich bin also nicht einer, sondern viele. Sehr viele sogar. Manchmal, wenn ich vor einer Entscheidung stehe und nicht so richtig weiß, was ich tun will, dann sind verschiedene Zellverbände in meinem Gehirn dabei, ihre unterschiedlichen Ansichten miteinander zu diskutieren. Und „ich“ warte dann so lange, bis es einen Sieger gibt, denn dann habe ich mich endlich entschieden.

Ärgerlicher wird es, wenn ich an einer Schizophrenie leiden, etwas einfach nicht wahrhaben will oder ein anderes psychisches Problem habe. Das ist dann genauso, wie wenn eine Zellgruppe in meinem Körper nicht mehr beim Erhalten des Ganzen mitspielt, sondern auf Konfrontation gepolt ist und ich krank werde. Wobei ich da keinen Unterschied zwischen Geist und Körper mache, denn Zellen sind immer beteiligt, was aber nicht bedeutet, dass das ein rein mechanisches Problem wäre. Zellen sind für mich beides, Geist und Materie. Den Unterscheid macht nur meine Sichtweise. So wie ich mit mir, genau so gehen auch wir Menschen miteinander um, entweder freundlich und nett – oder destruktiv und zerstörerisch.

Bei diesen Überlegungen stellte sich mir die Frage, was das Leben überhaupt ist, denn das ist ja der Ursprung von allem. Und da ich mich in der letzten Zeit viel mit Quantenphysik beschäftige, war mir auf einmal klar, dass etwas mechanisch zu sein Scheinendes am Anfang stehen könnte, sozusagen in der ersten Reihe, nämlich Prozesse. Ein Prozess kann als ein Verlauf, eine Entwicklung oder ganz allgemein als ein System von Bewegungen bezeichnet werden. Und genau so könnte es sein!

Gesteuert werden diese Lebensprozesse durch die zur Verfügung stehenden Informationen, die über Wahrnehmung und deren Interpretation bereit gestellt werden. Anton Zeilinger ist es ja gelungen den Nachweis zu erbringen, dass „Information“ ein ganz wesentlicher Faktor bei Prozessen ist. Dass wir dabei aufhören sollten, zwischen mechanischen und lebendigen Prozessen zu unterscheiden, weil die in ihren grundsätzlichen Strukturen ziemlich gleich sind, das spricht sich so langsam herum.

Jedenfalls würde das meiner Ansicht nach vieles erklären, etwa wie Selbstorganisation passiert. Oder weshalb Reptilien ihre Gliedmaßen dem Umstand anpassen können, dass sie auf Bäumen und nicht mehr am Boden leben müssen, weil sich am Boden zu viele Fressfeinde tummeln. Die gesamte Evolution lässt sich so erklären. Sobald neue Informationen hinzukommen, passt sich der Prozess an – wenn ich ihm nicht im Weg stehe. Auch was und wie ich denke stellt Informationen zur Verfügung, die diesen Prozess unmittelbar regeln.

Ich sollte mich also an zwei Dingen orientieren: Zum einen, dass absolut nichts statisch ist, sondern eben ein völlig instabiler Prozess, der zum anderen sehr sensibel (oder empfindlich) auf die vorhanden Informationen reagiert. Ersteres ist ein Fakt, die Informationen aber stelle ich hauptsächlich durch meine eigenen Bewertungen zur Verfügung.

Wie ich „bin“, wie und was ich denke und lebe, regelt exakt wie und was ich denke und lebe!

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